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Kultur im Norden Nordische Filmtage: So entscheidet die Jury
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20:03 02.11.2018
Jurymitglied Patrick Poch bei den 60. Nordischen Filmtagen. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Patrick Poch ist beim NDR-Fernsehen Redakteur für das Ressort. Film, Familie & Serie. Zusammen mit zwei Schauspielerinnen aus Schweden und Dänemark, einer deutschen Kamerafrau und einer Vertreterin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein entscheidet er in der Jury über den begehrten NDR Filmpreis. Im LN-Gespräch erzählt er, wie schwierig die Entscheidung ist.

Herr Poch, wie wurden Sie überhaupt Jurymitglied?

Der NDR ist seit 1990 ein wichtiger Partner der Filmtage, und es wird großen Wert darauf gelegt, dass jedes Jahr jemand aus unserer Redaktion „Film, Familie und Serie“ in der Jury sitzt. Dieses Jahr wurde ich gefragt.

Zum ersten Mal?

Ja.

Haben Sie sich darauf vorbereitet?

Die beste Vorbereitung ist, möglichst wenig über den Film zu wissen. Es ist ja wichtig, dass man die Filme völlig unvoreingenommen sieht und sich nicht beeinflussen lässt etwa von den Umständen, unter denen sie entstanden sind, oder von den Machern. Man sollte ja möglichst neutral entscheiden.

Wie sieht die Arbeit der Jury aus?

Am Montag haben wir alle zusammen einen Film gesehen ohne Publikum und seit Dienstag sehen wir ganz normal mit dem Publikum im Kino vier Filme pro Tag. Macht dann 17 Filme bis Freitag Abend, und dann beraten wir.

Wie ist Ihr Eindruck von den Filmen?

Es gab überraschende, positive Filme, die mich berührt haben. Vieles war aber auch düster. Es ist nicht so ganz einfach, so viel Schwermut zu sehen. Aber es ist eine interessante Mischung. Das macht die Preisvergabe ja auch so schwierig, wir sind gezwungen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen: Filme mit hohem politischem Anspruch, historische Filme, Komödien. Am Ende zeichnet einen guten Film aus, dass er als Geschichte Bestand hat, da muss man nicht lange drüber reden. Es sind Filme, die nicht nur Minderheiten ansprechen. Und keine Filme, die einen total runterziehen.

Das wird den nordischen Filmen ja gerne nachgesagt.

Ich wünsche mir grundsätzlich in diesen schwierigen Zeiten, dass man Filme macht, in denen nicht nur das Schlechte dargestellt wird. Man sollte doch vielmehr zeigen, wie schön das Leben sein kann, dass man für das Gute kämpfen kann. Dass es sich lohnt, zu leben, auch wenn man sich anstrengen muss.

Gibt es schon eine Tendenz bei der Bewertung der Jury?

Wir haben ja schon während der vergangenen Tage über die Filme gesprochen, die wir gesehen haben, und dann stellt sich schon heraus, welcher Film Chancen hat und welcher weniger.

Was sind wichtige Kriterien für einen preiswürdigen Film?

Das Thema sollte eine gesellschaftliche Relevanz haben, und es sollte eine besondere Handschrift des Filmemachers zu erkennen sein. Wenn das beides zusammenkommt, hat der Film große Chancen.

Wie entscheiden Sie? Müssen Sie zu einem einstimmigen Votum kommen?

Unser Ziel ist es, dass wir einen Film auswählen, der allen so gefällt, dass niemand Bauchschmerzen mit der Entscheidung hat. Ein einstimmiges Votum muss es nicht sein. Aber auch jemand, der vielleicht einen anderen Favoriten hat, sollte mit der Entscheidung gut leben können.

Haben Sie bei dem vielen Filmegucken auch Zeit, etwas vom Festival mitzubekommen?

Ja, ein wenig. Ich bin erstaunt und begeistert, dass schon morgens um 10.30 Uhr die Kinos voll sind. dass einige sich extra Urlaub nehmen für die Filmtage. Es ist extrem herzlich, familiär, wir werden exzellent betreut. Lübeck ist eine wunderschöne Stadt, die Atmosphäre ist toll.

Petra Haase

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