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Kultur im Norden „Goliath96“: Katja Riemann als verzweifelte Mutter
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20:09 30.10.2018
„Goliath96“ mit Katja Riemann ist bei den Nordischen Filmtagen am Donnerstag zu sehen Quelle: hfr
Lübeck

In dem Spielfilm geht es um eine Frau und ihre Verzweiflung. Sie hat ihren Job verloren. Und sie ist allein. Ihr erwachsener Sohn spricht seit langem kein Wort mehr mit der Mutter. Katja Riemann ist in „Goliath96“ in der Hauptrolle zu sehen. Einen äußerst wichtigen Part aber hat auch Rike Steyer, die in Lübeck aufgewachsen ist: Sie hat den Film produziert.

Das Schillernde, das zur Filmbranche gehört, wird vor allem Darstellern und Regisseuren angeheftet. Filmproduzenten und -produzentinnen stehen weniger für Glamour. Ihr Part sind die Finanzen. „Viel Leidenschaft müssen aber auch wir mitbringen“, sagt Rike Steyer.

Vorstellung in Lübeck ist etwas besonderes

Erst vor kurzem hat sie „Goliath96“ bei den Hofer Filmtagen vorgestellt, am Donnerstag wird sie ihn gemeinsam mit Regisseur Marcus Richardt bei den Nordischen Filmtagen präsentieren. Und in der zweiten Novemberhälfte geht es zum Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Die Vorstellung bei den Nordischen Filmtagen Lübeck aber ist für sie etwas Besonderes. „Es ist toll, den Film in dem Kino zu zeigen, in dem ich früher gesessen habe und in dem meine beste Freundin Eis verkauft hat.“

Nach ihrem Abitur 2001 am Johanneum in Lübeck zog die gebürtige Amerikanerin fort. Sie ging nach Rostock, um BWL zu studieren. Nach etlichen Praktika und erfolgreichem Abschluss ihres Studiums rückte Rike Steyer durch ein Praktikum bei „Gute Zeiten - Schlechte Zeiten“ ihrem Traumberuf näher. Es folgte ein Aufbaustudium an der Hamburg Media School im Fach Filmproduktion. 2009 gründete sie die Firma Skalar Film.

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Viel eigenes Geld im Projekt

Als Produzentin sucht sie die Filmstoffe aus. Die meisten kommen zu ihr, werden ihr angeboten. Wird ein Projekt realisiert, ist sie für die Finanzierung zuständig, nimmt Kontakt mit Filmförderungen auf, bemüht sich um TV-Sender als Partner und steckt eigenes Geld in den Film. „Das Geld reicht nie“, sagt die 35-Jährige. Darin sieht sie aber auch etwas Gutes - es zwinge dazu, nach kreativen Lösungen zu suchen. Als Produzentin reicht sie den Film bei Festivals ein, denn die sind wichtig für den Erfolg. Außerdem gilt es, einen Verleih zu finden, der den Film ins Kino bringt.

Bei Goliath96“, dem Spielfilm-Debüt des Hamburger Regisseurs Marcus Richardt, ist dies bereits gelungen. Im Februar kommenden Jahres wird der Film im Kino zu sehen sein, später auch auf Arte und im rbb. Bis dahin jedoch war es ein weiter Weg. Sieben Jahre sind seit der ersten Idee vergangen. Keine unübliche Spanne, wie Rike Steyer sagt.

Wenn ein Film floppt, liegt das finanzielle Risiko bei der Produzentin.

„Goliath96“ hat jedoch mit Katja Riemann nicht nur einen großen sondern auch das Zeug zu berühren und zu fesseln. Kristin Dibelius (Katja Riemann) ist nicht nur ohne Job. Mehr noch leidet sie darunter, dass ihr erwachsener Sohn David zwar bei ihr lebt, aber schon seit zwei Jahren jeden Kontakt mit ihr ablehnt. Über das Warum ist sie im Ungewissen. Der Vater ist irgendwann ohne Angabe von Gründen einfach verschwunden. Das könnte ein entscheidender Grund für David (großartig verkörpert von Nils Rovira-Muñoz) gewesen sein, seiner Mutter und der Welt den Rücken zu kehren. Kristin gelingt es, über ein Internetforum mit David in Kontakt zu treten. Als er sie dann aber unbedingt kennenlernen will, ist die Katastrophe zum Greifen nah.

Was hat Rike Steyer an dem Projekt gereizt? Das Thema, um das es geht: „Einsamkeit, die viele trifft. Und wie es ist, wenn ein Kind der Mutter entgleitet.“

Der Film läuft am Mittwoch, 31.10.2018 um 19:15 Uhr, Cinestar Kino 7

Liliane Jolitz

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