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Kultur im Norden Nordische Filmtage in Lübeck: Liebe – und was am Ende bleibt
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16:00 22.10.2012
Lübeck

Viel Schnee, viel Blut, viel Gewalt – und eine Komödie, die im Süden spielt: Wohlfühlkino ist eher die Ausnahme im Spielfilmprogramm der 54. Nordischen Filmtage. Auch der neue Jahrgang unterstreicht, wo eine Stärke des skandinavischen Films liegt: Es ist der Mut, sehr weit zu gehen, es uns ungemütlich zu machen, uns tief hinein in die Psyche des Menschen zu führen, an die Ränder der Gesellschaft oder gar an den Rand des Daseins.

Auch Oscar-Preisträgerin Susanne Bier („In a Better World“) ist eine Expertin darin. In ihrem neuen Film jedoch kehrt die Dänin in das Komödienfach zurück. „Love is all you need“ spielt überwiegend auf einem von Zitronenplantagen umgebenen Landsitz in der Nähe von Sorrent. Hier will ein junges Paar heiraten. Aber die eigentlichen Hauptfiguren sind der Vater des Bräutigams und die Mutter der Braut. Bond-Darsteller Pierce Brosnan spielt Philip, einen Manager mit Herz. Er ist ein einsamer Witwer. Bald bahnt sich etwas an zwischen ihm und der Mutter der Braut. Ida (Trine Dyrholm) ist vom Leben schwer gebeutelt. Während sie gegen ihre Krebserkrankung kämpft, sucht ihr Mann sexuelle Vergnügungen mit einer sehr viel jüngeren Frau.

Auch an anderen Stellen wird es ziemlich ernst: Der Bruder der Braut zieht in den Afghanistankrieg und kann deshalb nicht zur Hochzeit kommen. Und unter den Gästen kracht es gehörig. Idas tölpelhafter Ehemann, Philips gegen Gefühle anderer resistente Schwägerin – die Charaktere sind überzeichnet. Doch die Zuschauer werden mit schönen Bildern und einer Überdosis Romantik versorgt. Sie habe einen Film über verletzliche Menschen machen wollen, sagt Susanne Bier. Und sie habe diese an den romantischsten Ort verfrachtet, der vorstellbar sei.

15 Produktionen sind im Spielfilm-Wettbewerb. Das Star-Kino ist dabei stark vertreten. Thomas Vinterberg zeigt nach längerer Filmabstinenz seinen ebenso meisterhaften wie beklemmenden und ergreifenden Film „The Hunt“ (Die Jagd). Es geht um eine Hexenjagd: Der Kindergärtner Lucas (Mads Mikkelsen) wird verdächtigt, sich vor einem kleinen Mädchen entblößt zu haben.

Auch Bille August ist dabei. Mit „Marie Krøyer“ drehte er nach vielen Jahren im Ausland wieder in seiner Heimat Dänemark. Er zeichnet das Porträt einer Frau, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts aus der unglücklichen Ehe mit Peder Severin Krøyer, zu seiner Zeit ein berühmter Maler, zu entkommen versucht. Auf seinen Gemälden vergöttert Krøyer seine Frau. Im Alltag jedoch verhält sich der psychisch kranke Mann demütigend. Eine schöne Frau, das idyllisch gelegene Haus im Norden Jütlands, der Strand: „Marie Krøyer“ schwelgt in schönen Bildern. Maries vergebliches Ringen um Glück aber lässt einen mitgenommen zurück.

Mit Liebe, die zu Ende gegangen ist, beschäftigt sich auch der norwegische Film „90 Minuten“. Drei Paare, drei schick eingerichtete Wohnungen, drei Fälle äußerster Gewalt. Eva Sørhaug zeigt sie wie in einem Dokumentarfilm und in Echtzeit. Wer die Paare sind, woher sie kommen, wovon sie leben, was vorher geschah, darüber gibt der Film keine Auskunft. Dafür ist ausgiebig zu sehen, wie ein Glatzkopf seine gefesselte Frau vergewaltigt und ihr das Gesicht zertrümmert. Ein äußerst kühner Film.

Eröffnet wird das Festival von einem halben Dutzend blonder Männer, die 1947 auf einem Floß von Peru bis Polynesien segeln. Chef an Bord der „Kon-Tiki“ ist der Norweger Thor Heyerdahl. Knapp zwei Stunden sieht man in dem Film von Joachim Rønning und Espen Sandberg der unerfahrenen Crew bei ihrem Kampf gegen Sturm, Wellen, Riffe und Haie zu. Thor Heyerdahl,der die spektakuläre Expedition durchsetzte, konnte nicht einmal schwimmen.

Wo es Tickets gibt

149 Filme werden bei den 54. Nordischen Filmtagen Lübeck vom 31. Oktober bis 4. November gezeigt. Eröffnet wird das Festival am Mittwoch, 31. Oktober, um 19.30 Uhr im Kolosseum mit dem Abenteuerspektakel „Kon-Tiki“.

Der Kartenvorverkauf beginnt

am Sonntag, 28. Oktober,

um 10 Uhr im Filmpalast Stadthalle,

telefonische Reservierung unter

Telefon (0451) 703 0102.

Online-Bestellungen:

www.filmtage.luebeck.de

www.cinestar.de

Alle Filme im Überblick finden Sie in der Wochenendausgabe der LN

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