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„Oboisten? – Keine aussterbende Art“

Lübeck „Oboisten? – Keine aussterbende Art“

Die Oboe ist das Instrument des Jahres. Diethelm Jonas stellt in einer Konzertreihe ihre Geschichte vor.

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Landtagspräsident Klaus Schlie (r.) ließ es sich gestern nicht nehmen, das Instrument des Jahres auszuprobieren. Schirmherr Kalev Kuljus zeigt wie’s geht, Landesmusikrat-Präsident Volker Mader ist vergnügter Zuschauer.

Quelle: Fotos: Marco Ehrhardt, Christian Ruvolo

Lübeck. Der Landesmusikrat Schleswig-Holstein hat gestern sein „Instrument des Jahres“ vorgestellt – es ist die Oboe. Schirmherr des Projekts ist der Este Kalev Kuljus, Oboist im NDR Elbphilharmonie Orchester. Eine besondere Rolle spielt Diethelm Jonas, Professor für Oboe an der Musikhochschule Lübeck. Er hat die Federführung für ein vielseitiges Programm zum Jahr der Oboe, seine Meisterschüler bestreiten mehrere Konzerte.

Was sagen Sie jungen Menschen, die ein Instrument lernen wollen, warum sie zur Oboe greifen sollen?

Diethelm Jonas: Ich versuche niemanden zur Oboe zu bekehren. Ich bin allerdings auch selten in der Situation, dass ich jüngere Leute überzeugen muss. Ich habe einmal im Jahr meinen Meisterkurs in Bosau, in diesem Kontext gehe ich auch an eine Grundschule, um die Oboe vorzustellen. Falls danach ein Kind auf die Idee kommt, Oboe lernen zu wollen, ist das schön, aber ich bin kein Missionar. Auch innerhalb des Jahres der Oboe werde ich mit meinen Studenten an Schulen gehen, um das Instrument bekannt zu machen.

Der Titel „Instrument des Jahres“ soll das jeweilige Musikinstrument nicht nur populär machen, sondern Kinder dazu bringen, es zu lernen. Denn angeblich gibt es zu wenig Musiker für den Bedarf der Orchester. Ist der Oboist eine aussterbende Gattung?

Jonas: Das kann man eigentlich nicht sagen. Es gibt immer noch mehr Bewerber als Stellen in den Orchestern. Bei der Klarinette und der Flöte ist das ganz anders.

Die Oboe gilt als ein sehr schwierig zu spielendes Instrument. Ist das so?

Jonas: Wenn man singt, wenn man Flöte spielt, wenn man irgend ein anderes Blasinstrument intoniert, dann muss man, um lauter zu klingen, mehr Luft einsetzen. Bei der Oboe geht das nicht, da gibt es eine Besonderheit: Die Öffnung im Doppelrohrmundstück ist winzig. Wenn ich die Dynamik mit mehr Luft verstärken will, gibt es einen Rückstau – er macht sich durch den berühmten roten Kopf bemerkbar. Wir müssen mit der Luftgeschwindigkeit operieren.

Warum haben Sie als Kind mit der Oboe angefangen?

Jonas: Ich habe als Kind alle möglichen Instrumente ausprobiert. Ein Musiklehrer verpasste mir als Neunjähriger eine Geige, doch eigentlich wollte ich lieber Klavier spielen, was ich dann auch durfte. Mit 13 sollte ich ein Blasinstrument hinzunehmen. Der Musiklehrer sagte mir, ein berühmter Oboen-Lehrer komme an die Schule – Jean-Baptiste Schlee, bei dem damals alle führenden Oboisten gelernt hatten. Die Einführung bei Schlee fand ich erst etwas eklig, weil er das Mundstück so merkwürdig im Mund bewegte. Er gab mir das Instrument und sagte: Nu, blas mal rein. Es kam irgendein komischer Ton heraus. Und Schlee sagte: Nu, dann bis nächste Woche halb fünf. So wurde ich Oboist. Mit 15 schaffte ich bereits die Aufnahme an der Hochschule in Essen.

Wären in Ihrer Jugend nicht E-Gitarre und Schlagzeug sexy gewesen?

Jonas: Nein, das hat mich nicht interessiert, ich habe vor allem Klassik gehört.

Sie haben nun die Federführung beim Konzertprogramm für das Instrument das Jahres an der Musikhochschule...

Jonas: Ja, ich versuche dabei, die Entwicklungsgeschichte der Oboe aufzuzeigen. Der erste Abend ist morgen dem Barock vorbehalten. Ich werde das Konzert moderieren, meine Studenten spielen Stücke des italienischen und französischen Barock sowie von Bach. Am 23. April werden wir mit Carl Philipp Emanuel Bach fortfahren, der ein großes Vorbild für Mozart war. Dann geht’s zu Schumann und zu Antonio Pasculli, dem letzten großen Oboen-Virtuosen vor Heinz Holliger. Im November gibt’s dann zeitgenössische Musik Interview: Michael Berger

Konzerte mit der Primadonna der Holzblasinstrumente

In zahlreichen Konzerten ist die Oboe 2017 zu erleben. So beginnt Prof. Diethelm Jonas an der Musikhochschule Lübeck morgen mit der ersten von vier Etappen mit „Oboengeschichten“

(Kammermusiksaal, 19.30 Uhr). Zunächst erzählt er unter dem Motto „Wie die Oboe das Singen erlernte“ die Anfänge im Barock, an späteren Abenden geht es bis zu ganz neuen Hörerlebnissen mit dem Titel „Happy new ears“ und der Uraufführung eines Werkes für vier Oboenarten nämlich Oboe, Oboe d'amore, Englischhorn und Baritonoboe des Lübecker Kompositionsprofessors Dieter Mack.

Im Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ wird im März ein Sonderpreis Oboe ausgelobt, und auch das Landesjugendorchester wird im April mit einem Meisterschüler aus der Jonas-Klasse musizieren. Daneben können sich Schulen für Workshops bewerben.

Sinfoniekonzert mit dem Lübecker Kammerorchester: Introduktion, Thema und Variationen für Oboe und Orchester von Johann Nepomuk Hummel (1778- 1837), Sa., 18. November, 19:30 Uhr, Musikhochschule Lübeck, Großer Saal.

LN

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