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Ode an „das dampfende Elefantenherz von Lübeck“

Lübeck Ode an „das dampfende Elefantenherz von Lübeck“

Ein unterhaltsamer Abend mit dem Künstler, Autor und Entertainer Rocko Schamoni in den Lübecker Kammerspielen.

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Locker vom Hocker: Rocko Schamoni.

Quelle: Kerstin Behrendt

Lübeck. Was soll man von einem Alleinunterhalter erwarten, der eigentlich Tobias Albrecht heißt und aus Lütjenburg kommt, sich aber Rocko Schamoni nennt und Hamburg zur Wahlheimat erkoren hat?

„Lütjenburg ist ja eine Klumpi-Stadt geworden“, witzelte Schamoni, der am Sonnabend live in den Lübecker Kammerspielen zu erleben war. „Überall Klumpis.“ Diese seien meist tropfenförmig, mittelgroß, trügen „unkomplizierte Kurzhaarfrisuren“ und dazu Jeanskleidung. „Geschlechtsneutral.“ Für Schamoni, der die Kleinstadt im Kreis Plön lange hinter sich gelassen hat, sind so geartete Bewohner unter anderem Beispiele für „Nahrungsdummheit“. Und es fallen ihm eine ganze Reihe weiterer Spielarten von Dummheit ein: „Zahlendummheit“ zum Beispiel oder „Sprachdummheit“, zu der er sich koketterweise selbst bekennt.

Schamoni muss über seine Witze lachen, immer wieder. Und auch im voll besetzten Saal gluckst es glücklich, die Lacher, wie es so schön heißt, sind auf seiner (Schamonis) Seite. So mancher im Publikum mag sich wiedererkennen in den oft pennälerhaften Scherzen des Entertainers.

Zum Beispiel, als er erfundene, dämliche Bewerbungsschreiben von Autoren bei Verlagen vorliest. Eigens ausgedacht, um originelle Ablehnungsschreiben zu provozieren. „E-Mail für Emil“ ist so ein Machwerk, das Schamoni genüsslich ein Stück weit entwickelt: Wie der arme, kleine Emil, von der Mutter verlassen, durch die verdreckte Sozialwohnung irrt und daran denkt, wie sie früher Weihnachten gefeiert haben... Oder „Immer Ärger mit Herr Berger“, eine turbulente, nichtssagende Geschichte um einen Familienhund.

Harmlose Späße sind das allesamt, die dem sympathisch mit Seitenscheitel und Brille sowie offenem, schwarzen Hemd daherkommenden Künstler niemand übelnimmt. Selbst wenn sie, wie im Fall der Schreiben an die Verlage, schon einige Jahre alt und bereits des öfteren vorgetragen sind.

Es ist diese jungenhafte Ausstrahlung, die alles so entspannt macht, dieses Gefühl, bei Rocko zu Hause im Wohnzimmer zu sitzen. Hauptsache, man verbringt gemeinsam eine gute Zeit miteinander.

So empfinden es wohl auch die meisten der Zuhörer, selbst als Schamoni anfängt, altbekannte Songs aus den 80-ern mit eigenen Texten zu singen. Begleitet wird er dabei von dem Hamburger Musiker Matthias Strzoda. Zwei Gitarren, zweimal gute Laune — obwohl die Lieder, wie Schamoni mehrfach betont, extra depressiv sein sollen. Mitsingen mag, trotz mehrfacher Aufforderung, dennoch keiner so richtig, auch nicht, als Schamoni und Strzoda anfeuernd ihre Handys schwenken. „Ist ja auch ein bisschen hart“, bemerkt Strzoda einfühlsam. „Ich meine: Wir fahren nachher zurück nach Hamburg ...“

Das Publikum, mittelalt bis jung und eher intellektuell, mochte die Gags, mochte einfach Rocko Schamoni. Der revanchierte sich mit einer Liebeserklärung an „dieses dampfende Elefantenherz von Lübeck“. Das sei etwas anderes als das „Ghetto-Gefühl“ in Hamburg- Eppendorf. Na dann, bis zum nächsten Mal!

Marcus Stöcklin

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