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Kultur im Norden Bilderbuch mit neuem Album
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16:51 13.03.2019
„Warum soll man sich limitieren?“, fragen sich die Musiker von Bilderbuch. Zur Band aus Österreich gehören Schlagzeuger Philipp Scheibl, Gitarrist Michael Krammer, Sänger Maurice Ernst und Bassist Peter Horazdovsky (v. l.).
Wien

Zuletzt haben sich die vier Herren von Bilderbuch an der Konsumwelt im digitalen Zeitalter abgearbeitet. Nun auf „Vernissage my Heart“ geht es jetzt zumindest stellenweiseum ein ganz anderes Luxusgut. Mit Texten, die Unbeschwertheit, die Weite von Himmel und der Galaxie, die Autofahrten ohne Grenzen oder auch mal die Absage an Social Media beschwören, steht dieses Mal vor allem Freiheit im Fokus.

Es ist das zweite Album der Österreicher innerhalb kurzer Zeit: Erst im Dezember war „Mea culpa“ erschienen, und schon da war auch „Vernissage my Heart“ angekündigt worden. „Natürlich war mehr Material da“, erklärt Sänger Maurice Ernst die Entscheidung für zwei Alben kurz nacheinander. „Warum soll man sich limitieren?“ Den Luxus, sich von Musikmarkt-Regeln zumindest etwas frei zu machen, kann sich das Wiener Quartett inzwischen auch leisten. Bilderbuch zählte in den vergangenen Jahren zu den erfolgreichsten Pop-Exporten Österreichs.

Inzwischen hat die Band aber auch schon längst ihr erstes Jahrzehnt hinter sich gebracht. Auf ihre Ursprünge lässt sich noch durch den Namen schließen.Bilderbuch zum Reinhören

Anfangs erspielten sich die damals jugendlichen Mitglieder eine erste Fangemeinde durch die Vertonung von Kindergeschichten wie dem „Struwwelpeter“. , wie Sänger Maurice Ernst erklärt: „Das hatte auch etwas: diese grobe, todernste Moral der Geschichten gepaart mit unserer düster-pubertären Stimmung. Und der Name passt ja auch heute irgendwie noch: Es geht um eine visuelle Art der Musik und eine gesunde Naivität. Das hat natürlich etwas kindliches.“Dass sich Bilderbuch deshalb nicht mit dem Ernst des Lebens auseinandersetzen würde, ist aber eine fahrlässige Unterstellung. „Politik war schon immer irgendwie da. Das ist nur nie rezipiert worden, weil wir es auch nicht krass in den Vordergrund stellen“, sagt Ernst. „Aber natürlich ist das bei uns zu Bands wie den Toten Hosen oder Feine Sahne Fischfilet überhaupt kein Vergleich. Wir wollen auch gar nicht konkret politisch sein. Man muss es den Leuten ja auch nicht reindrücken.“

Konkret werden die Österreicher dann etwa mit „Europa 22“, dem letzten der acht Lieder auf „Vernissage my Heart“. Ernst singt dabei in seinem typischen Sprachmix: „Ein Leben ohne Grenzen. Eine freedom zum Verschenken. Eine Freiheit nicht zu denken. I better open my eyes. Ich mach die Augen auf.“

Das neue Album von Bilderbuch heißt „Vernissage My Heart“ und ist bei Maschin Records/Universal) erschienen. Erhältlich als Audio-CD zu 17,99 Euro, als Vinyl-Platte zu 22,99 sowie als MP3-Download zu 9,99 Euro erhältlich.

Live on Tour gastiert die Band am 17. April in Hamburg im Theater am Großmarkt; Tickets zu 46,90 Euro im LN-Ticketshop unter https://tickets.ln-online.de

Es nerve ihn, dass Europa nicht wertgeschätzt werde, sagt Ernst. „Dabei haben wir Tausende Vorteile: Wir können einfach in den Flieger steigen und ins nächste Land fliegen oder mit dem Auto mal eben über eine Grenze fahren. Das ist ein derart leichtfertiges Erleben von Freiheit, wie es noch vor 50 Jahren kaum denkbar war.“ Zum Lied selbst erklärt der Sänger: „,Europa 22’ soll mich selbst wachrütteln, mich an die Vor- und Nachteile erinnern. Die Zahl 22 soll Spannung reinbringen – ist es ein Ablaufdatum oder der Startpunkt?“

Dabei kann man der Band beim Bezug zu Europa auch einen marktstrategischen Schachzug unterstellen: Vom virtuellen europäischen Pass, den sie seit Kurzem auf ihrer Website bereitstellen, machten auch prominente Internetnutzer wie Jan Böhmermann Gebrauch. Der Kunstausweis lässt sich mit Daten und Foto personalisieren und wird als Bekenntnis zu Europa eifrig in den Sozialen Netzwerken geteilt.

„Vernissage my Heart“ führt vieles, womit sich Bilderbuch zuletzt einen Namen gemacht hat, fort: mit entspanntem Pop mit Spezialeffekten, relaxten Gitarren und Texten mit viel Lautmalerei. Gerade Letzteres bescherte Sänger Ernst oft Dada-Vergleiche, die er nicht allzu gerne hört: „Natürlich gibt es dadaistische Momente, aber ich denke mir natürlich etwas bei meinen Texten.“ „Vernissage my Heart“ solle ein Aufbruch sein, sagt Ernst. „Wir wollen als nächstes den Laptop zuklappen und mehr auf echte Instrumente setzen.“ An denen mangele es nämlich im aktuellen Pop-Geschäft.

Neues Album: Bilderbuch: „Vernissage My Heart“ (Maschin Reciords/Universal)

live. 26. April – Würzburg, Posthalle; 7. April – Stuttgart, Liederhalle; 8. April – Offenbach, Capitol; 11. April – Leipzig, Haus Auensee; 12. April – Hannover, Capitol; 17. April – Hamburg, Theater am Großmarkt; 18. Und 19. April – Berlin, Columbiahalle.

Marie Fuchs

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