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Österreichischer Karikaturist Manfred Deix ist tot

Wien Österreichischer Karikaturist Manfred Deix ist tot

Nichts für Zartbesaitete: Seine Figuren sind hässlich, sein Blick auf die Welt war düster.

Wien. Katzen hat er geliebt und die Musik der Beach Boys. Bei Menschen war das so eine Sache. Und dem lieben Gott traute er auch nicht recht über den Weg. „Ich würde hoffen, dass es einen gibt“, hat er gesagt. „Aber einen guten Eindruck habe ich von ihm nicht.“

Überhaupt hielt Manfred Deix nicht viel von den Mächtigen und Allmächtigen dieser Welt. Sie besah er sich wie das Grauen der Normalität mit einem Blick zwischen Faszination und Entsetzen. Und dann tauchten sie auf in seinen Bildern, all die verstörenden Spießbürger und halbseidenen Vikare, die ganze Brutalität und Hemmungslosigkeit des Alltags. Ein Gruselkabinett mit Bodybuildern und Trachtenhelden war das, mit den Opfern einer außer Rand und Band geratenen Spaßgesellschaft. Die „grindige Grundnatur von Herrn und Frau Österreicher, vornehmlich bei diversen Verrichtungen des Alltags zwischen Sadomaso-Sex und Muttermord“, nannte das der Wiener „Standard“. Es waren keine schönen Bilder, aber entlarvend in ihrer Genauigkeit. Deix sprach denn auch von „Fotorealismus“.

Schon mit elf hatte er eine eigene kleine Comicserie. In der „Niederösterreichischen Kirchenzeitung“ war das, einem Blatt mit 200000 Abonnenten, einem Religionslehrer war seine Zeichenbegabung aufgefallen. Boxer hatte er dann werden wollen, studierte aber doch, unter anderem mit dem Maler Gottfried Helnwein und Roncalli-Gründer Bernhard Paul, und wurde zu einem der gefragtesten Zeichner.

Er arbeitete für den „Spiegel“ und den „Playboy“, für „Titanic“, „Charlie Hebdo“ und den „Stern“. Er bewunderte Wilhelm Busch und den Donald-DuckZeichner Carl Barks. Er wurde verklagt und verurteilt. Er war enttäuscht, als nach einer herben Karikatur nur drei Diakone protestierten, und machte weiter. 2001 war er maßgeblich an der Gründung des Karikaturenmuseums in Krems beteiligt, wo seine Arbeiten als Dauerausstellung zu sehen sind.

Als einen „Langzeiträcher“ hat er sich mal bezeichnet. Als ein langhaariges Mitglied der Popgeneration, das sich die Ordnungsrufe aus der Blockwartecke gut gemerkt hat. Die „Anständigen“ kämen in seinen Bildern nicht vor. Und vernichtet habe er auch niemanden, nur die Dinge so dargestellt, wie sie nun mal sind. Glücklich sei er mit seiner Arbeit in seinem Land, „mir geht es blendend hier“.

80 Jahre wären eine Grenze, hat er auf die Frage nach dem Tod gesagt. 70 Jahre würden aber auch genügen. Jetzt ist er mit 67 gestorben, nach langer, schwerer Krankheit, wie es heißt. Zu Hause in Klosterneuburg trauern seine Frau Marietta und 39 Katzen. Und in den USA vielleicht die Beach Boys, wer weiß das denn.

Peter Intelmann

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