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Olaf Schubert in Lübeck: Flachsraketen für den Frieden

Lübeck Olaf Schubert in Lübeck: Flachsraketen für den Frieden

Kreischalarm in der voll besetzten MuK, die erste Flachsrakete, wie Schubert seine Hau-drauf- Gags nennt, hat gezündet. Doch das war es dann auch erstmal mit der Sinnlichkeit.

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Seine Witze gehen auch mal unter die Gürtellinie: Olaf Schubert.

Quelle: Olaf Malzahn

Olaf Schuberts Arbeitsplatz sah fast wie immer aus: auf der Bühne „Herr Stephan“, Bert Stephan, am Bass und Jochen Barkas an der Gitarre, in der Mitte der Kabarettist in bekannter Dienstkleidung (Pullunder und Jeans). Neu: Die Gäste aus Sachsen hatten am Freitagabend in der MuK eine Kulisse aufgebaut: eine grüne aufblasbare Palme. Wohl als eine Art Phallussymbol, passend zum neuen Programm „Sexy forever“ (sexy mit weichem sächsischen s). „Die Palme steht für Sinnlichkeit, man sagt ja: einen von der Palme wedeln.“

Kreischalarm in der voll besetzten MuK, die erste Flachsrakete, wie Schubert seine Hau-drauf- Gags nennt, hat gezündet. Doch das war es dann auch erstmal mit der Sinnlichkeit. Denn seine eigentliche Aufgabe sei es ja, betont Schubert, die Probleme der Welt zu lösen, der Stachel im Fleische der Bourgeoisie zu sein. Flachsen für den Frieden sozusagen. Er bedient sich im Gemischtwarenladen der Themen, von seiner Heimatstadt Dresden („Sie hat eine Gravitationskraft für braunen Feinstaub“) über Kanzlerkandidat Schulz („ein sozialdemokratisches Monchichi“), Alterskriminalität („Die ist skrupellos, denn sie kennt kein Morgen“), Schönheitschirurgie („Änderungsfleischerei“) und die Bio-Version von Brustimplantaten („mit Hirse und Hummus“) bis hin zur Lohn-Ungleichheit der Geschlechter („Ein Zimmermann verdient doppelt so viel wie eine Zimmerfrau“).

So flachst und kalauert er sich durch die aktuellen Themen des Landes und der Welt, mal geistreich, mal unter der Gürtellinie, mal zynisch, und irgendwie weiß man nie so recht, ob man dem so harmlos aussehenden Sachsen gerade auf den Leim gegangen ist. Da erstirbt schon mal das Lachen, wenn er über Kinder spricht, die in in Bangladesch in Textilfabriken schuften: Das Zeug sei so „lieblos zusammengeschustert, das kann man nicht alles auf die Beleuchtungsverhältnisse schieben“. Die Stadt Lübeck kriegt natürlich auch ihr Fett weg („Seit Thomas Mann weggezogen ist, ist ja auch nicht mehr viel los“).

Dass Schubert dabei häufig den Macho rauskehrt und in die Niederungen des Altherrenwitzes hinabsteigt, stört auch das weibliche Publikum nicht. Kostprobe: „Die Verschleierung der muslimischen Frauen hat ja ihren Hintergrund: der muslimische Mann darf keinen Alkohol trinken.“

Wer regelmäßig die „heute-show“ schaut, kennt bereits einige der Gags. Macht nichts, die Frequenz der Lachsalven in der MuK ist dennoch hoch. Zu ungeahnter Form läuft Olaf Schubert auf, wenn er als Liedermacher- und Popstar-Parodist Songs darbietet wie „Schalalalala Erotika“ „Konsumiert in der Region“, „Ich bin ein Roboter“ oder „Menschen sind anders“. Dass er den Gitarristen Jochen zum Dödel vom Dienst degradiert, nervt auf Dauer, dennoch krönt Schuberts Liederzyklus den Abend.

Unterm Pullunder steckt nämlich nicht nur ein Witzbold, sondern auch ein Musikant. Der Kabarettist Michael Haubold, der die Kunstfigur Olaf Schubert verkörpert, musiziert regelmäßig mit seinen Freunden Herrn Stephan und Jochen Barkas. Und als Olaf Schubert am Ende beim Zugabetitel „Zeugt!“ am Schlagzeug seinem Affen Zucker gibt, wirkt das „Wunder im Pullunder“ dann doch noch irgendwie sexy.

 Petra Haase

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