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Kultur im Norden Oper, Tanz – und Musik zum Einschlafen
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18:16 05.07.2017
Tanz für den Frieden bei Kunst am Kai 2016: Tänzer wirkten neben Orchester, Solisten und Chören 2016 bei „The Peacemakers" von Karl Jenkins mit. Quelle: Fotos: Christoffer Greiß
Lübeck

Alles spricht für einen opulenten Auftakt. Wenn am Sonntag im alten Hafenschuppen C mit dem Konzert „Ein Sommernachtstraum“ das vierte Musik-Festival „Kunst am Kai“ beginnt, werden weit über 100 Sänger und Musiker mitwirken. Die Lübecker Singakademie ist dabei, Gesangssolisten, Tänzerinnen, Mitglieder des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck, ein Kinder- und Jugendchor.

Nachwuchs-Förderung: Gabriele Pott, künstlerische Leiterin des Festivals, mit jungen Mitwirkenden.

„Wir lassen es richtig krachen“, sagt Gabriele Pott, Festival-Gründerin und künstlerische Leiterin. Mit dem Konzert soll der Sommer gefeiert werden. Auf dem Programm stehen die Konzert-Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und – passend zum norddeutschen Sommer – „Cloudburst“ (Wolkenbruch), das der US-Amerikaner Eric Whitacre für Chor, Klavier und Percussion geschrieben hat. Mit Händels „Zadock the Priest“ für Chor und Orchester ist ein Barockwerk zu hören. Hauptwerk des Abends ist die 2003 in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführte „Mass of the Children“ des englischen Komponisten John Rutter. Neben Solisten, Orchester und dem großen gemischten Chor ist auch ein Kinderchor besetzt. Das Werk möchte dazu aufrufen, die von Gott anvertraute Welt unseren Kindern und den nachkommenden Generationen friedlich und lebenswert zu hinterlassen.

Im Monat Juli stehen noch zwei weitere Veranstaltungen auf dem Programm, ein „Konzert zur blauen Stunde“ und ein Nachtkonzert mit Musik, die den Schlaf des Publikums begleiten soll. Bei letzterem dürfen, nein, sollen die Gäste sich hinlegen. Im vergangenen Jahr hatte Gabriele Pott erstmals zum Schlafkonzert gebeten. Vier Musiker und Musikerinnen – zwei Pianistinnen, zwei Schlagzeuger – spielten die ganze Nacht hindurch. Mit dem Schlafkonzert (Untertitel: „Crazy“) wurde zwar der Beweis erbracht, dass selbst im musikverwöhnten Lübeck noch Neues geboten werden kann. Was die Besucherzahl angeht, war das Schlafkonzert jedoch kein großer Erfolg. Denjenigen, die dabei waren, habe es aber ausnehmend gut gefallen, sagt Pott. Außerdem hat Mund-zu-Mund-Propaganda Interesse geweckt. Deshalb wagt sie in diesem Jahr eine Neuauflage – und wird belohnt. Ein Großteil der Karten ist bereits verkauft. Wenn die Nachfrage dieses Mal größer sein sollte als die Zahl der zur Verfügung stehenden Betten, kann die Kapazität noch erhöht werden.

Nach dem Schlafkonzert gibt es für das Publikum eine längere Pause bei Kunst am Kai. Dann wird das Herzstück des Festivals, die Oper „Luther in Love“, vorbereitet und einstudiert. Gabriele Pott hat das Werk wieder eigens für das Festival komponiert. Die Oper richtet sich an Kinder und Jugendliche, aber auch an Erwachsene. Erzählt wird aus dem Leben des Reformators, von seinem Mut und seiner Suche nach Wahrheit. Die Oper führt ins düstere Spätmittelalter. „Der Tod war damals allgegenwärtig, die Menschen mussten viel leiden“, sagt die Komponistin. So ist der Tod, verkörpert von einer Tänzerin, auch in der Oper sehr präsent. Das Werk (Text und Regie: Birgit Kronshage) besitze aber auch Witz und Leichtigkeit, sagt Gabriele Pott. Und eine Liebesgeschichte – die zwischen Luther und Katharina von Bora – gehört ebenfalls dazu. Intensiv hat die Komponistin sich damit beschäftigt, welche Musik Luther und seine Zeit begleitet hat. Daran anknüpfend hat sie Musik geschrieben, die ins Hier und Jetzt passt und gehört.

„Luther in Love“ ist im September fünf Mal im Hafenschuppen zu erleben. Das Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy wird dann Ende September als Mitsing-Konzert das Festival beschließen.

Noch eine große Sache: Für „Paulus“ wurde ein Projektchor ins Leben gerufen, dem 150 Sänger und Sängerinnen angehören.

Nächtlicher Musik-Marathon

Mit 5000 Besuchern 2016 hat sich „Kunst am Kai“ zu einer Größe in der kulturellen Landschaft Lübecks entwickelt.

Elf Veranstaltungen stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Am Sonntag, 9. Juli, beginnt um 19 Uhr das Eröffnungskonzert „Ein Sommernachtstraum“.

Beim Konzert zur blauen Stunde“ singen am Sonntag, 16. Juli, 19 Uhr, Andrea Stadel (Sopran) und Wioletta Hebrowska (Mezzosopran) Lieder und Arien.

Das Schlafkonzert beginnt am Sonnabend, 22. Juli, um 23 Uhr (bis 7 Uhr in der Früh).

Die Oper „Luther in Love“ und das Oratorium „Paulus“ sind vom 2. bis zum 10. September bzw. am 23. und 24. September zu erleben.

Liliane Jolitz

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