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Kultur im Norden Optimismus ins neue Jahr getragen
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07:25 08.01.2013

Als Justus Frantz die Bühne der Lübecker Musik- und Kongresshalle betrat, wandelte sich die Atmosphäre im Raum: Alles entspannte sich, sobald der 68-Jährige zu seinem Publikum sprach. Durch seine rote Brille, die längst zu seinem Markenzeichen geworden ist, schaute er ins Parkett und auf die Ränge, bezog alle mit ein, sprach frei und sprühte nur so vor Lebensfreude. Dieser Mann ist ein Entertainer, wie es nicht mehr viele gibt.

Viel hat er schon geleistet: 1986 das Schleswig-Holstein Musik Festival gegründet — ein kulturelles Großereignis, das Sommer für Sommer Landsitze, Ställe, Scheunen und Schlösser mit Klassik füllt.

Dann hat er, inspiriert von Leonard Bernstein, 1995 die „Philharmonie der Nationen“ ins Leben gerufen. Das hochklassige Orchester mit Nachwuchsmusikern aus 40 Nationen hat sich international einen sehr guten Ruf erarbeitet. Und nicht zuletzt hat Justus Frantz die leichte Muse salonfähig gemacht, hat süffige Operettenmelodien in große, ernste Konzertsäle gebracht.

In Lübeck stand viel Johann Strauß auf dem Programm. Das Neujahrskonzert mit Frantz und seiner Philharmonie der Nationen war sehr gut besucht und sollte — so Frantz — „den Optimismus ins neue Jahr tragen“. Das gelang mit der Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ auch hervorragend. Frantz dirigierte exakt und forderte von seinen Musikern rhythmische Genauigkeit und dynamische Vielfalt. Das Orchester konnte alles punktgenau umsetzen und so entfaltetete sich ein beschwingter Melodienreigen.

Danach dann Beethoven. Frantz hat als Pianist viele Preise gewonnen und mit den renommiertesten Orchestern der Welt konzertiert. Sein Leben lang war ihm das Klavier ein Vertrauter. Von seinem Charme ließ sich das Lübecker Publikum begeistern, mit seinem starken Willen führte er sein Orchester. Aber der Flügel war gnadenlos, war wie ein Spiegel, der zeigte, dass dem Meister die Routine fehlte.

Wenn das Spiel an das erinnert, was einer früher einmal war, wird ein Auftritt traurig. Die schmelzenden Melodien im ersten Satz von Beethovens viertem Klavierkonzert klangen zäh. Perlende Läufe gab es im dritten Satz nicht. Stattdessen gebremste Virtuosität. Es war alles irgendwie im Metrum und auch recht ordentlich, aber nicht inspiriert, sondern bemüht. Auch die Doppelrolle des Solisten und Dirigenten, die Frantz sich auferlegt hatte, kam dem Spiel und dem Orchesterklang nicht zugute.

Nach der Pause war dann alles so unbeschwert und auch hochklassig wie zu Beginn des Abends. Polkas, Walzer und Märsche von Johann Strauß füllten den Saal. Frantz moderierte und sorgte für heitere Stimmung. Drei Zugaben spielte das Orchester. Die Hörer wären auch länger geblieben.

Cornelia Schoof

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