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Kultur im Norden Opulente Geburtstagsfeier
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20:22 17.08.2015
Zwei, die sich mögen: Michaela Kaune mit Eschenbach. Quelle: Nickolaus

Christian Kuhnt, Intendant des SHMF, ist zum Meister der Beschwichtigung geworden. Zum Auftakt des diesjährigen Konzertreigens musste er dem Publikum beibringen, dass Porträtkünstler Martin Grubinger wegen Krankheit mit Verspätung ins Geschehen eingreifen würde. Dann oblag es ihm, die Absage der Klavier-Diva Martha Argerich zu verkünden. Beim Geburtstagskonzert für den 75 Jahre alten Christoph Eschenbach dann der zweitgrößte anzunehmende Ausfall: Kuhnt musst zu Beginn der Mammutveranstaltung in der Holstenhalle von Neumünster (über 4000 verkaufte Karten) auf die Bühne, um den Superstars des Abends zu entschuldigen: Lang Lang hatte Mittelohrentzündung.

Am Eingang war das Publikum bereits informiert worden. Und die Enttäuschung war zunächst drastisch hörbar: „Ist dem unser Schleswig-Holstein inzwischen zu piefig?“, war eine der Unterstellungen. Eine andere: „Man hat uns mit Lang Lang hergelockt, jetzt ist das Konzert nur noch zweitklassig.“

Kuhnt aber machte mit Charme und der ihm eigenen Offenheit deutlich, dass es der chinesische Pianist selbst am meisten bedauere, nicht bei der Feier für seinen Förderer und Freund Eschenbach dabeisein zu können. Dass er noch einmal die Geigerin Midori krankheitshalber entschuldigen musste, viel daneben kaum ins Gewicht. Es blieben dann in der riesigen Halle auch nur wenige Plätze frei.

Erik Schumann machte Midori schnell vergessen. Der Geiger, 1982 als Sohn deutsch-rumänisch- japanischer Eltern in Köln geboren, hatte mit Tschaikowskys Violinkonzert leichtes Spiel — dem Publikum sind die drei Sätze vertraut. Dennoch platzte eine erhebliche Besucherzahl schon nach den ersten Kadenzen und der Schlussoffensive des ersten Satzes mit Applaus heraus. Man konnte einfach nicht anders, als diesem strahlenden Musiker und seinem brillanten Spiel schon vor der Zeit zu huldigen. Das junge Festivalorchester unter Eschenbach erwies sich als kongeniales Begleitensemble. Es hatte zu Beginn schon viel Glanz in Beethovens dritter „Leonoren-Ouvertüre“ versprüht — alle Instrumentengruppen wollten sich dem Anlass gemäß in Hochform präsentieren, und Eschenbach entdeckte viel dynamisches Potenzial in der großen Besetzung. Selbst die Flüsterstellen gerieten exquisit.

Eschenbach setzte sich dann selbst an den Flügel, um die Lücke, die Lang Lang — er sollte Edvard Griegs Klavierkonzert spielen — hinterlassen hatten, mit Mozarts A-Dur-Konzert (KV 488) ein wenig auszufüllen. Er kann es immer noch, Kopf und Finger sind zwar manchmal etwas zu flink, doch Eschenbachs Mozart-Gefühl ist unübertroffen. Großer Beifall.

Ein weiterer Höhepunkt an diesem Abend: die Gesangskunst der Michaela Kaune. In der „Briefszene“ von Tschaikowskis „Eugen Onegin“ schwelgt ihr dramatischer Sopran in Hoffen und Bangen, ohne Mühe setzt sie sich gegen Orchester und Hallenausmaß mit differenziertem Ausdruck durch, in den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss bietet sie fast eine Überdosis an Innigkeit.

Viereinhalb Stunden — mitsamt zwei Pausen — dauerte die Geburtstagsfeier für Eschenbach, bei der noch weitere Programmpunkte abzuarbeiten waren. Kurz vor Mitternacht schien nur er selbst noch nicht ermattet.

Michael Berger

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