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Orchesterakademie coacht Nachwuchsmusiker

Lübeck Orchesterakademie coacht Nachwuchsmusiker

Ein neues Kooperationsmodell zwischen der Musikhochschule LübecK (MHL) und dem Theater der Hansestadt soll Musikstudierenden einen besseren Einstieg in das Berufsleben als Orchestermusiker bieten. Die Orchesterakademie hat ihren Betrieb im Herbst aufgenommen.

Lübeck. Die neugeschaffene Akademie tritt an die Stelle des bewährten Orchesterstudios, das seit 2004 Studierende an den Beruf des Orchestermusikers herangeführt hat. Das neue System der Kooperation zwischen Theater und Hochschule ist dreistufig aufgebaut. In der ersten Stufe können die Studenten in einer Intensivwoche an einem Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker teilnehmen.

In der zweiten Stufe können dann bis zu 17 Studierende teilnehmen, die sich in höheren Semestern oder bereits im Master-Studiengang befinden. Sie werden sich dann an zwei Konzerten und an zwei Opernproduktionen beteiligen. In der dritten Stufe, die europaweit ausgeschrieben wird, können dann fünf Teilnehmer zehn Monate lang an der Arbeit der Philharmoniker mitwirken.

Finanziert wird die Orchesterakademie durch die Possehl-Stiftung. Die Teilnehmer in der ersten Stufe erhalten ein Pauschalhonorar, die der zweiten Stufe für jeden ihrer maximal 40 Orchesterdienste (Probe oder Aufführung entsprechen jeweils einem Dienst) pro Dienst 50 Euro. Teilnehmer der dritten Stufe erhalten 900 Euro im Monat.

Das besondere an diesem Lübecker Modell ist die Tatsache, dass alle Bewerber um einen Akademie-Platz sich einem Vorspiel stellen müssen, wie es auch im professionellen Musikbereich üblich ist. „Sie lernen dabei, wie schwierig es ist, sich in dieser besonderen Situation zu konzentrieren und ihre beste Leistung zu erbringen“, sagte gestern Rico Gubler, Präsident der MHL, bei der Vorstellung der Orchesterakademie. „Diese Erfahrung wird den Nachwuchsmusikern hilfreich sein, wenn sie sich um einen Arbeitsplatz bewerben oder später in einem Probejahr bei einem Orchester sind.“

Andreas Wolf, kommissarischer Generalmusikdirektor, schilderte die aktuelle Situation für Orchestermusiker: „Es gibt in Deutschland 118 sogenannte Kulturorchester, dazu kommen elf Rundfunk-Klangkörper. Zusammen beschäftigen die Orchester rund 10000 Musiker. Im Jahr werden 120 bis 150 Stellen neu besetzt, auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben sich je nach Instrument bis zu 160 junge Musiker. Deshalb ist jede Erfahrung, die man vor einem Vorspiel macht, elementar wichtig.“

Während der Praktika wird jedem Teilnehmer ein Mentor aus dem Orchester zur Seite gestellt. Der hilft seinem Adepten mit Rat und Tat und bringt ihm die Besonderheiten der Orchesterarbeit nahe. Die Orchestermusiker verzichten auf das ihnen zustehende Honorar für diese Tätigkeit und spenden es an die von ihnen gegründete Philharmonische Gesellschaft, die das Musikleben in Lübeck unterstützt.

Holger Roese, Schlagzeuger aus der Klasse von Johannes Fischer, hat sich für die dritte Stufe der Orchesterakademie qualifiziert. „Ich kann auf diese Weise viele unterschiedliche Programme spielen und mich so musikalisch weiter entwickeln. Das sind wertvolle Erfahrungen, die mir später mit Sicherheit nutzen werden. Und von den 900 Euro im Monat kann man leben – das ist die angenehme Seite dieses Praktikums.“

Klein aber fein

Die Musikhochschule Lübeck (MHL) ist die einzige Musikhochschule des Landes Schleswig-Holstein. An der MHL unterrichten rund 170 Dozenten, darunter 30 Professoren. An der Hochschule studieren mehr als 500 Nachwuchsmusiker aus aller Welt. Untergebracht ist die MHL seit 1974 in einem Ensemble von 22 Kaufmanns- und Bürgerhäusern unterhalb der St. Petrikirche an der Obertrave, das von der Unesco zum Weltkulturerbe gezählt wird.

Jürgen Feldhoff

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