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Oscar und Indianer

Lübeck Oscar und Indianer

Dann stand er da in Los Angeles zwischen all den talentierten jungen Leuten. Und als er seinen Namen hörte, hatte er den Studenten-Oscar in Gold gewonnen. Das war 2015 und eine ganze Menge für jemanden, dem ein Arbeitsberater zum Kino geraten hatte. Jetzt läuft Ilker Çataks erster Langfilm.

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„Es war einmal Indianerland“ heißt Ilker Çataks (33) aktueller Film. Er hatte am 7. Oktober Premiere.

Quelle: Foto: Schlieter

Lübeck. „Es war einmal Indianerland“ heißt er, die Geschichte von Mauser, einem jungen Boxer, dessen Vater gerade seine Mutter getötet hat, der sich zwischen Jackie und Edda entscheiden muss und der auch sonst nicht über zu wenig Probleme klagen kann. Clemens Schick spielt mit, Emilia Schüle, Bjarne Mädel, Leute aus der ersten Reihe des aktuellen deutschen Films und alles solche, mit denen er unbedingt drehen wollte.

Am Mittwoch war „Indianerland“ im Filmforum zu sehen. Ilker Çatak wollte dabei sein, ist dann aber aus privaten Gründen in Istanbul geblieben, wo er mit einem Stipendium des Auswärtigen Amtes an seinem neuen Projekt arbeitet. Er hat sich um das Stipendium nicht beworben, erzählt er am Telefon. Man habe es an ihn herangetragen. Das sind dann die Ausläufer des Studenten-Oscars, von dem er sagt, dass er ein „Türöffner“ sei, etwas, das Dinge leichter macht.

2014 war er schon einmal für den Preis nominiert. Es hat dann nicht geklappt, und es war „desaströs“. Das war die Chance, dachte er. So weit wirst du nie wieder kommen. Vorbei! Aber im nächsten Jahr stand er wieder da – und siegte. „Sadakat“ hieß der Film, seine Abschlussarbeit an der Hamburg Media School, an der jetzt auch die Lübeckerin Katja Benrath einen Studenten-Oscar gewonnen hat.

„Es ist schon ein neuer Status, den man plötzlich hat“, sagt er. „Wenn man vorher einer von vielen Filmstudenten war, ist man plötzlich jemand, der aus der Menge heraussticht. Das macht sich schon bemerkbar im Verhältnis zu Produzenten, zu Redakteuren, zu Fördergremien. Man bekommt mehr Respekt entgegengebracht.“ Und beim Bundespräsidenten ist er für einen Abend auch gewesen.

Der Schritt vom Kurz- zum Langfilm ist in Wirklichkeit ein Sprung. „Man fängt neu an“, sagt er. „Man kann beim Kurzfilm alles erreicht haben, aber beim Langfilm werden die Karten noch mal neu gemischt.“ Deshalb ist es auch keine schlaue Idee, sich auf den Lorbeeren auszuruhen: „Man ist ja immer nur so gut wie seine letzte Arbeit.“

Sein nächster Film heißt „Bezness“, eine deutsch-kurdische Liebesgeschichte. Dann soll der dritte folgen. Und der, sage man, sei ja der schwierigste. Trotz Oscar. int

LN

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