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Kultur im Norden Blödeln, knödeln, jödeln
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20:51 29.05.2018
„Hallo Lübeck“ – „Hallo Otto“: Standesgemäße Begrüßung von Otto Waalkes. Hinten wartet Moderator Bernd Eilert. Quelle: Foto: F. König, Privat
Lübeck

Kurz bevor Otto Waalkes zur Bühne kommt, hört man im Publikum „Holla-di-hiti“, jemand singt leise „Oho, bin ein Friesenjung, bin ein kleiner Friesenjung, und ich wohne hinterm Deich.“ Otto ist noch nicht da, aber schon präsent. Dann kommt er leichtfüßig die Treppe herunter und legt los. „Normalerweise trete ich in der MuK auf.“ Eine Lesung sei für ihn noch ungewohnt. „Deshalb bin ich etwas schüchtern und zurückhaltend“, sagt er mit Otto-Augenaufschlag und hat den ersten Lacher.

Das Publikum ist bunt gemischt, ältere Semester, die „Peter, Paul and Mary“ mitsprechen können und Susi Sorglos kennen, und auch Kinder, für die Otto das Faultier Sid aus „Ice Age“ ist. Auch Björn Engholm entpuppt sich als Otto-Fan. Philipp Weidlich ist mit seinen Söhnen gekommen. Der 47-Jährige hat früher Otto-Platten gehört, Ben (13) und Carlson (18) kennen Otto aus „7 Zwerge“ und „Ice Age“.„Otto find ich cool“, sagt Ben.

Otto Waalkes, gebürtiger und praktizierender Ostfriese, hat eine „Otto- Biografie“ geschrieben. „Kleinhirn an alle“ heißt sie und soll ihm, der im Leben nichts anderes als „blödeln, knödeln und jödeln“ gemacht habe, einen Platz im Himmel sichern für „Fleiß und Ehrlichkeit“.

 So jedenfalls begründet Otto im Vorwort seinen Entschluss, zu schreiben. An Ottos Seite sitzt sein langjähriger Textautor und Freund, „Titanic“-Mitgründer Bernd Eilert, und dank seiner Moderation und Ottos Improvisation wird der Abend zur familiären Otto-Show. Und zur Exkursion in die Geschichte. Otto erzählt über seine WG-Zeit mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in den 1960er Jahren in Hamburg, den Auftritten im legendären Club „Onkel Pö“. Es war die Zeit des 1968er Umbruchs, und Otto definierte lange vor der Zeit der Comedians mit seinen Blödeleien und Nonsens den deutschen Humor neu. Per Zufall, wie er erzählt, denn eigentlich war er Hobbymusiker, spielte schon als Schüler mit seiner Band zum Tanztee und verdiente sich in Hamburg damit Geld für sein Kunststudium. „Mir ist oft das Mikro runtergefallen, ich habe mich ständig beim Publikum entschuldigt. Das kam besser an als meine Musik, also bin ich bei den Entschuldigungen geblieben.“

Otto erzählt Anekdoten, und man weiß nie so richtig, was wahr oder gut erfunden ist. Immer wieder greift er zur Gitarre, singt Beatles-Songs auf Wunsch und seine Gassenhauer, und die Zuhörer singen und jodeln mit. Otto wirkt frisch und nahbar, gibt „Ottogramme“ und lässt sich fotografieren. „Es war sehr lustig“, sagen Philipp und seine Söhne. Und zu Hause werden sich die Jungs jetzt auch noch mal die alten Gags anhören.

Multitalent

Bestseller: Die Autobiografie „Kleinhirn an alle“ (Heyne, 412 Seiten, 22 Euro) hat es bereits auf Platz 4 der „Spiegel“-Bestsellerliste geschafft.

Ausstellung: Otto Waalkes hat Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg studiert, er widmete sich auch danach noch der altmeisterlichen Schichtenmalerei. 200 kunstvoll gemalte Parodien berühmter Gemälde sind bis Anfang September im Caricatura Museum Frankfurt zu sehen.

 Petra Haase

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