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Ovationen für das Känguru am Altonaer Theater

Hamburg Ovationen für das Känguru am Altonaer Theater

Kuriose Farce, Slapstick, Politklimbim, Musikrevue, absurdes Theater: Die Inszenierung der „Känguru Chroniken“ bietet von allem ein wenig.

Hamburg. Kuriose Farce, Slapstick, Politklimbim, Musikrevue, absurdes Theater: Die Inszenierung der „Känguru Chroniken“ bietet von allem ein wenig. Mit Standing Ovations goutierte das Premierenpublikum im Altonaer Theater die Bühnenfassung von Marc-Uwe Klings berühmter Textsammlung.

In der Zwangs-WG treffen der phlegmatische Kleinkünstler Kling ( Stephan Möller-Titel) und das vorwitzige Känguru (mit Plüschschwanz und Schlackerohren: Robert Zimmermann) aufeinander. Der tierische Mitbewohner vertilgt Unmengen von Schnapspralinen, liebt Musik von Nirvana und schreibt an bolschewistischen Pamphleten. Schon bald bringt der hüpfende Bürgerschreck den Hobbymusiker in die Bredouille. Ein Neonazi wird zur Strecke gebracht. Das Känguru gründet „asoziale Netzwerke“, überfällt das „Ministerium für Produktivität“ und singt Lobeshymnen auf die RAF. Kein Wunder, dass dem Anarcho-Hüpfer in bester Kafka-Manier schon bald „Der Prozess“ gemacht wird.

Regisseur Hans Schernthaner aktualisiert Klings Vorlage mit Anspielungen auf AfD, Böhmermann und Pegida. Ein Glücksgriff ist Pianist Florian Miro, der die Handlung mit Schlagern, Film- und Musicalmelodien ergänzt. Viele Verwandlungen müssen Katrin Gerken und Johannes Merz abarbeiten. Gerken verkörpert unter anderem eine frivole Kneipenwirtin und eine alkoholkranke Jobcentervermittlerin, Merz gibt einen Saxofon spielenden Pinguin und einen Psychiater mit Wiener Dialekt. Letzterer erkennt, dass Klings Känguru sich nur als Alter Ego in dessen Kopf befindet, lebt seinerseits aber mit einem Gnu zusammen.

Ideologien werden auf den Kopf gestellt, Klischees entlarvt und wieder verfestigt, so dass die Zuschauer am Ende selbst ein wenig zum geistigen Beuteltier werden.

Bis zum 19. Juni im Altonaer Theater. Tickets: 040/39 90 58 70.

Von Alexander Bösch

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