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Panzerfaust durchs Schiebedach

Panzerfaust durchs Schiebedach

Der vierte Til-Schweiger-„Tatort“ ist der stärkste: 90 Minuten Nervenkitzel. Klar, es ist ein bisschen viel Tschiller-macht- alle-im-Alleingang-nass und nicht ganz ...

Der vierte Til-Schweiger-„Tatort“ ist der stärkste: 90 Minuten Nervenkitzel. Klar, es ist ein bisschen viel Tschiller-macht- alle-im-Alleingang-nass und nicht ganz so viel Logik, aber „Fegefeuer“ ist vor allem packende Krimikost im Kinoformat.

Nun ist klar, warum das Erste die Til-Schweiger-Doppelfolge verschoben hat: Der Überfall aufs „Tagesschau“-Studio, das wäre kurz nach den Anschlägen von Paris sehr heftig gewesen. Wir wissen jetzt auch, was Nick Tschiller mit der Bazooka vorhatte, die er in „Der große Schmerz“ beschafft hat: Auf seiner Flucht/Jagd schießt er sich damit — lässig durchs Schiebedach — den Weg frei.

„Du bist genau wie er“, kreischt ihn seine Tochter an, sie meint Tschiller und dessen Gegenspieler, Gangsterboss Astan (herrlich grimmig: Erdal Yildiz). Das deckt sich mit Tschillers Selbsteinschätzung: Als sein erfrischender Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ihm in Teil drei ein „Wir sind doch die Guten!“ zuruft, nuschelt er nur: „Ich nicht mehr.“ Genau wie er: Astan rettet seinem Feind und Entführer Nick, als der beinah erdrosselt wird, sogar das Leben. Dann menschelt es mächtig zwischen Tschiller und dem Mörder seiner Frau. Alles nur Fake: Astan legt Tschiller wieder rein, sticht ihn mit einer halben Schere nieder und flieht. Eine Kehrtwende jagt die nächste — mit packendem Finale im Nahverkehrszug von Sprötze nach Hamburg. Dort ist am Ende klar: Tschiller ist doch noch bei den Guten.

Zur heimlichen Hauptfigur wird Ines Kallwey (Britta Hammelstein), die ein Upgrade vom Mauerblümchen zur Retterin von Tschiller erfährt. Mit viel Schneid setzt sie den koksenden Innensenator, der den Hafen an böse Russen verscherbeln wollte, schachmatt.

360 Minuten Schweiger-„Tatort“ sind vorüber. Wenn es um den Spannungsgehalt geht, ist Nick Tschiller weit vorn in der ewigen Ermittler-Tabelle. Den Spitzenplatz hält er bei der Zahl der selbst getöteten Schurken, als einziger hat er zwei Handys erschossen, eher im Mittelfeld liegt er bei der Originalität der Stories. Unterm Strich dürfen die „Tatort“-Fans zufrieden sein: Das Niveau der Unterhaltung, Hauptaufgabe dieser Krimi-Reihe, liegt deutlich über dem Schnitt. Vor allem „Fegefeuer“ war klasse. Fortsetzung: ab 4. Februar im Kino.

LN

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