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Parodist Martin Sonneborn im Interview: „Wir arbeiten noch an unserer Fatwa“

Lübeck Parodist Martin Sonneborn im Interview: „Wir arbeiten noch an unserer Fatwa“

Der deutsche Chefsatiriker und Politik-Parodist Martin Sonneborn tritt mit zwei Kollegen in Lübeck auf. Im LN-Interview berichtet er von seinem Showprogramm und was das Massaker von Paris damit zu tun haben.

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Politiker-Darsteller: Sonneborn vor dem Berliner Reichstag.

Quelle: dpa

Lübeck. Lübecker Nachrichten:  Herr Sonneborn, Sie kommen mit zwei weiteren ehemaligen „Titanic“-Chefredakteuren nach Lübeck und versprechen Satire, Polemik und feine Lyrik. Das ist ungewöhnlich, dass ehemalige Chefredakteure nicht untereinander verkracht sind.

Martin Sonneborn: Wir überspielen das. Außergewöhnlicher ist allerdings, dass es noch drei lebende Ex-Chefredakteure gibt. Ich glaube, wir könnten sogar zehn lebende Ex-„Titanic“-Chefs auf die Bühne bringen, weil die Zeitschrift eben ein Durchlauferhitzer ist.

LN:  Man hält es da offenbar nicht länger als fünf Jahre aus?

Sonneborn: Vor dem Massaker bei „Charlie Hebdo“ in Paris hätte ich gesagt, bei einem Satiremagazin seien die Arbeitsbedingungen gut und sicher, verglichen mit denen bei anderen Printmedien.

Manche Chefredakteure musste man auch überzeugen davon, dass sie das jetzt nicht länger aushalten.

LN:  Spielt das Massaker von Paris in Ihrem Programm eine Rolle?

Sonneborn: Es gibt immer Fragen danach, aber mehr als das, was ich schon gesagt habe — dass bei „Titanic“ ein Massaker mit zwölf Toten nicht passieren könne, weil es nur sechs Redakteure gibt —, wollen wir nicht dazu äußern. Was Reaktionen von uns provoziert, sind die Reflexe aus Politik und Gesellschaft auf die Morde. Mir hat sehr gut gefallen, was ein französischer Zeichner sagte: Es ist nicht einfach zu arbeiten, wenn man von Idioten wie Angela Merkel unterstützt wird.

LN:  Haben Sie keine Angst vor Islamisten?

Sonneborn: Wir hatten einmal einen Wettbewerb bei „Titanic“, wer als erster eine Fatwa auf sich zieht. Ich dachte eigentlich, ich würde gewinnen, als ich 2001 nach den Anschlägen von New York unter der Überschrift „Nimm dies, Araber“ Bilder des Propheten Mohammed veröffentlichte — natürlich mit Hinweis auf das Bilderverbot. Unter skurrilen alten Fotos habe ich Sachen getextet wie „Mohammed bei einem Glas Schweinebraten“ oder „Mohammed beim Oktoberfest“. Da ist komischerweise niemand schießend bei uns vorbeigekommen.

LN:  Würden Sie so etwas heute, nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“, wieder veröffentlichen?

Sonneborn: Noch viel intensiver als früher. Wir arbeiten noch an unserer Fatwa.

LN:  In Lübeck sitzt der erste Abgeordnete Ihres politischen Arms „Die Partei“ in der Bürgerschaft — ein gewisser Bastian Langbehn. Steuern Sie dessen Umtriebe?

Sonneborn: Ich kenne ihn gut. Ich war damals sehr überrascht, als er mich am 26. Mai 2013 anrief und sagte, es sei ihm peinlich, aber er sei soeben in die Lübecker Bürgerschaft gewählt worden. Er hatte überzeugende Wahlversprechen — Lübeck zur Landeshauptstadt zu machen oder der Stadt eine U-Bahn zu verpassen. Wenn ich jetzt nach Lübeck komme, werde ich das kontrollieren.

LN:  Das jüngste, was man von Langbehn hörte, ist, dass er einen Antrag der Piraten unterstützt, dass sich die Bürgerschaftsabgeordneten in ihren Sitzungpausen als Gigolos betätigen, also das Publikum zum Tanz auffordern sollen.

Sonneborn: Das finde ich super. Als nächstes wird er Bingo einführen.

LN:  Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat behauptet, Sie seien Langbehns großer Einflüsterer.

Sonneborn: Das stimmt nicht, er ist selbständig genug, um die Stadt Lübeck niederzuwirtschaften. Ich habe derzeit mit Europa viel um die Ohren. Insofern arbeiten wir parallel und unabhängig an zwei verschiedenen politischen Enden.

LN:  Die „FAZ“ tituliert Sie auch als „eiskalt albernen Komiker“. Wenn man Ihre Auftritte in der heute-Show sieht, in denen Sie bei wildfremden Menschen klingeln und ihnen auf die Bude rücken, kann man das verstehen.

Sonneborn: Ich denke, Joachim Gauck ist mir da noch ein Stück voraus. Dem kann ich an Albernheit nicht das Wasser reichen. Ich belästige die Menschen, bei denen ich klingele, ja nur mit dem Blödsinn, den sie selbst zu verantworten haben. Und es macht Spaß.

Der Europaabgeordnete
Martin Sonneborn (49) gilt in Fachkreisen als Deutschlands Obersatiriker. Von 2000 bis 2005 war er Chefredakteur des Magazins „Titanic“, auf Spiegel online verantwortet er die Rubrik „Spam“, in der ZDF-heute-Show ist er als Außenreporter aktiv. 2004 gründete er die parodistische Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative („Die Partei“) und zog für sie 2014 ins Europaparlament ein.
Die „Titanic Boy Group“, bestehend aus Martin Sonneborn, Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt, tritt am Freitag im Lübecker Kolosseum auf. Beginn: 20 Uhr.

Interview: Michael Berger

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