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Kultur im Norden Patenschaft für ein Wort von Kleist
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18:10 28.12.2017
Frankfurt (Oder)

Es sind lediglich sieben Zeilen, eng geschrieben und nur schwer lesbar. Die Buchstaben scheinen nach rechts umzufallen. Doch das vergilbte Schriftstück, das mit den Worten „Und nun küsse in meinem Namen“ beginnt, ist wertvoll. Kleist hat es 1803 von Leipzig aus an seine Halbschwester Ulrike in Frankfurt (Oder) geschrieben.

Für 35 bis 150 Euro können Interessierte nun Pate werden. Sie erhalten ein Faksimile des Briefabschnittes inklusive einer Umschrift, aufbereitet in einem Passepartout. Die Resonanz sei „klasse“, sagt Museumssprecherin Anett Handke. „Viele Interessenten, und das sind nicht nur Frankfurter, erwerben die Patenschaft.“ Der Brief endet mit der Unterschrift „Heinrich“. Die hat sich Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke für 300 Euro gesichert. Das sei Ehrensache gewesen, sagt er. „Der Brief ist eine Rarität, und um Raritäten muss man kämpfen.“

Die sieben Kleist-Zeilen sind genau genommen nur der Schlussteil eines insgesamt dreiseitigen Briefes. „Ulrike von Kleist hat diese Zeilen nebst der Originalunterschrift einer Freundin geschenkt. Sie galten mehr als 100 Jahre lang als verschollen“, sagt Museumsleiterin Hannah-Lotte Lund. Aus Privatbesitz seien sie kürzlich jedoch in ein Wiener Antiquariat gelangt.

Wie genau und warum sie letztlich in der österreichischen Hauptstadt landeten, soll Gegenstand eines Forschungsprojektes am Frankfurter Kleist-Museum werden. Die Museumsleiterin hat die Wiener, die auch ein Auktionshaus betreiben, überzeugt, mit dem Verkauf noch zu warten. „Der Briefabschnitt kostet 35000 Euro. Zwei Gutachten belegen, dass er tatsächlich echt ist“, sagt sie. Zwei Drittel der Anschaffung tragen die Kulturstiftung des Bundes und das Brandenburger Kulturministerium, ein Drittel muss das Museum aufbringen.

Der Rest des dreiseitigen Briefes befindet sich in der Jagiellonska-Bibliothek im polnischen Krakau, so wie die meisten der heute noch erhaltenen 172 Handschriften Kleists.

LN

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