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Kultur im Norden Pfeifende Esel und trommelnde Tanten
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19:12 15.03.2017
Farbenfrohe Gestalten bevölkern die Bilder der schwäbisch-allemannischen Fastnacht von Ingrid M. Schmeck. Quelle: Foto: Felix König
Lübeck

Lübeck. Der Norddeutsche steht nicht unbedingt im Verdacht, zur Faschingszeit besonders vergnügungssüchtig zu sein. Fastnachtsspiele mit Umzügen gab es zwar im Mittelalter auch in Lübeck, doch diese Tradition wurde nicht fortgeführt. Die Lübecker Malerin Ingrid M. Schmeck aber hat sich diesem Brauchtum verschrieben, und ihre farbenfrohen Bilder sind nun in der Galerie Siebert zu sehen.

Ingrid Margarete Schmeck wurde 1944 in Posen geboren, wuchs in Schleswig-Holstein auf, studierte an der Muthesius Werkkunstschule in Kiel und an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg und ist seit 1974 freischaffend in Lübeck und im europäischen Ausland tätig. Eine zierliche, eher ruhige Frau, die mit beschwingten Stadtansichten von Lübeck populär wurde, die unterschiedliche Perspektiven in sich vereinen.

Ihren Perspektivwechsel auf die schwäbisch-allemannische Fastnacht verdankt sie einem Onkel, bei dem sie 1974 auf einer Schallplatte Fastnachts-Musik hörte. Ihr Interesse war geweckt, sie reiste 1975 nach Basel und erlebte zum ersten Mal einen „Morgenstraich“. Begeistert erzählt die Künstlerin von der Vielfalt der Kostüme, die man Häs nennt, von kunstvoll gefertigten Masken, die Larven heißen, und von der besonderen Stimmung. Zu einer Art Marschmusik bewegen sich die Züge durch die Straßen der Stadt, „aber nicht in unserem gewohnten Stechschritt, es ist eher ein Tanzen und Schwingen, das die Straßen erfüllt“. Seit jener Erfahrung reist Ingrid M. Schmeck in jedem Jahr zu Fastnachtsumzügen, sie war in Luzern, Konstanz, Einsiedeln, Lachen am Zürichsee, Bern, auch in Frankreich und Österreich.

„Ich bin sehr neugierig auf die unterschiedlichen Facetten der Fastnacht“, sagt die Künstlerin, die die besondere Stimmung zwischen Ausgelassenheit, Grusel und Magie in ihren Aquarellen, Zeichnungen und Radierungen eingefangen hat. Am Rande der Umzüge steht sie mit ihrem Skizzenblock und hält einzelne Motive fest, die sie auf den Bildern kombiniert und vor die Stadtkulisse stellt. Bekannte Figuren wie der Strohbär, der wilde Mann, Tiere und Schellenmänner tauchen häufig auf, auch ganz spezielle wie der Salzhansel, pfeifende Esel und trommelnde Tanten findet man. Und obwohl die Figuren starre Masken, pardon, Larven tragen, gibt ihnen Ingrid M. Schmeck Persönlichkeit, die Figuren entfalten ein Eigenleben.

Dass die Ausstellung erst jetzt, also nach Aschermittwoch, zu sehen ist, hat einen Grund: Ingrid M. Schmeck war gerade noch auf einem Narrentreffen, auf dem unterschiedliche Zünfte ihre Tänze und Bräuche vorstellten, auch davon findet sich ein aktuelles Bild in der Ausstellung. Für die Künstlerin, die inzwischen als Expertin in Sachen allemannische Fastnacht gilt und etliche Ausstellungen zu diesem Thema gestaltet hat, ist der Spaß vor allem eines: Arbeit. Sie steht als Zuschauerin am Rand und verkleidet sich nicht.

Eine Ausnahme allerdings gab es beim so genannten Hemdglunker-Umzug in Konstanz. Dort ziehen die Teilnehmer in weißen Nachthemden und -mützen durch den Ort und lärmen mit Glocken, Schellen und Topfdeckeln. Als Ingrid M. Schmeck und ihr Mann auf die Straße gingen und zusehen wollten, wurden sie weggeschickt: Auch Zuschauer müssen in weißen Nachtgewändern erscheinen. „Zum Glück konnte die Wirtin in unserem Hotel aushelfen.“

Ausstellung

„Fastnacht – Auslese“ heißt die Ausstellung von Ingrid M. Schmeck, die in der Galerie Frank Siebert, Große Burgstraße 39 in Lübeck, noch bis zum 1. April zu sehen ist. Es gibt dort auch Kataloge und Postkarten der Künstlerin zum Thema.

Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 17 bis 19 Uhr, sonnabends von 12 bis 14 Uhr.

Die Finissage findet am 1. April von 12 bis 14 Uhr statt.

Petra Haase

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