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Kultur im Norden Phil Collins der Generation Youtube
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20:17 13.07.2018

Er hat nämlich eine kleine Privatkapelle bauen wollen auf seinem sehr großen Grundstück in der ostenglischen Provinz Suffolk. Hier wuchs er in Framlingham auf, jenem Ort, dem er in seinem Song „Castle On The Hill“ ein Denkmal gesetzt hat und wo er nach Jahren in London jetzt wieder zu Hause ist. Aber das örtliche Bauamt sagte Nein zu der Kapelle, weil eventuell der Kammolch auf dem Grundstück lebt und laicht. Jetzt muss Sheeran seine Kindheitsliebe Cherry Seaborn woanders heiraten.

Durchschnittstyp mit Hubschrauberlandeplatz: Ed Sheeran (27). Quelle: Foto: Charles Sykes/dpa

In den Stadien wird er aber wieder in seinem Metier sein. „Je größer das Publikum, desto mehr Spaß macht mir das Konzert“, sagt er. Für seine Show braucht er keinen Firlefanz, ja er braucht nicht mal eine Band. Ganz alleine steht er auf der großen Bühne, singt und bedient die akustische Gitarre. Für alle anderen Instrumente bedient er seine Loop-Station, also ein Gerät, auf dem er Tonspuren abspielt. So wie er in diesem Sommer auf dem vorläufigen Höhepunkt seines Triumphs in den Stadien spielt, könnte er sich auch an jede U-Bahn-Haltestelle stellen.

Was also macht den Erfolg dieses leicht übergewichtigen Normalos aus? Robbie Williams, den er in Sachen Popularität längst hinter sich gelassen hat, versuchte sich kürzlich an einer Erklärung: „Er ist der Tom Hanks der Popmusik. Jeder mag ihn. Er ist ein netter Kerl und ein guter Mensch. Und er scheint von seinem unglaublichen Erfolg absolut unbeeindruckt zu sein.“

Mit seinen 27 Jahren dürfte sich Sheeran mittlerweile ein dreistelliges Millionenvermögen zusammenmusiziert haben. Trotzdem läuft er mit Kapuzenpullis, Jeans und Turnschuhen immer noch so herum wie alle anderen Twentysomethings, und wenn er daheim ist, fährt er Mini, sagt er. Er ist der Phil Collins der Generation Youtube. Sieht aus wie der Durchschnittsjunge von nebenan, aber schreibt Songs, mit denen er ein Publikum vom Grundschulkind bis zum Greis erreicht. Die Lieder sind auch deshalb so bemerkenswert, weil sie sich anhören, als seien sie schon immer dagewesen. Plagiatsklagen gibt es, aber bisher war noch keine erfolgreich.

Seine frühen Hits wie „The A-Team“ oder „Lego House“ waren origineller, die Songs auf seinem aktuellen, dritten Album „Divide“ (das weltweit bestverkaufte des Jahres 2017) scheint er mit einer Optimierungssoftware komponiert zu haben, die Allgemeingültigkeit und Individualität zu ultimativ erfolgreicher Musik verbindet. „Shape Of You“ zum Beispiel, sein bislang größter Hit (und weltweit der meistverkaufte und meistgestreamte Song des Jahres 2017), hat keine komplizierte Melodie und keinen komplizierten Inhalt. Er ist aber durch den dezenten Einsatz von Beats und einen persönlich wirkenden Text, unter anderem über ein Date in einem chinesischen Schnellrestaurant, fesselnd genug, dass einen interessiert, was er da singt. Oder die aktuelle Single „Happier“, die er während einer Auszeit auf der „Queen Mary 2“ verfasste und in der er zugeben muss, dass der neue Freund der Ex-Freundin viel besser zu ihr passt als der alte, also er.

Sentimentalität, Lokalkolorit, (Pseudo)-Persönliches und Mädchen, das ist Ed Sheerans persönliche Zutatenliste. Aussagen, die anecken können, etwa über Politisches, den Brexit gar, vermeidet er in seinen Liedern und Interviews gleichermaßen. Und er rührt die Leute. Mit Geschichten über seine Katzen, seine Freundin, die Eltern, die Kumpels, den manchmal zu hohen Alkoholkonsum. Ed Sheeran ist ein Typ wie du und ich, nur halt mit Hubschrauberlandeplatz im Garten und besten Freunden wie Taylor Swift oder Elton John.

Er ackert aber auch für den Erfolg. Songs kann er überall schreiben, meist geht es schnell. Sein Talent für Melodien ist außergewöhnlich, seine Emsigkeit enorm. Anfangs spielt er 300 Konzerte pro Jahr, schläft eine Weile beim Schauspieler Jamie Foxx auf dem Sofa, als er Kontakte in Los Angeles sucht, und sammelt quasi jeden seiner Millionen Follower bei Twitter, Instagram und Facebook persönlich ein. Auch jetzt gibt er sich in den sozialen Medien noch nahbar, postet etwa gern Katzenfotos oder den Lego-Bagger, den er gerade gebaut hat. Und er ist ehrgeizig. „Nur Adele ist noch vor mir“, sagte er. „Und wenn ich nicht sagen würde, ich will sie überholen, dann wäre ich unehrlich zu mir.“

Am 25. Juli in Hamburg

Auf seiner Tour macht Ed Sheeran auch in Deutschland Station: am 19. Juli in Berlin, am 22. in Düsseldorf und am 25. in Hamburg auf der Trabrennbahn in Bahrenfeld. Im Münchner Olympiastadion spielt er am 29. und 30. Juli gleich zwei Konzerte, bevor er Anfang August Termine in Zürich und Wien hat.

Steffen Rüth

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