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Kultur im Norden Piet Klocke kann auch einen Satz zu Ende ...
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20:25 07.11.2013
Klocke gebietet Einhalt. Quelle: Fotos: Malzahn (2)

Ein volles Haus erwartet den Komödianten Piet Klocke bei seinem Auftritt im Lübecker Kolosseum — und ein vorgebildetes Publikum, dem man den Witz des Meisters der unvollständigen Sätze nicht zu erklären braucht. Der dünne Mann mit dem roten Resthaar muss keine Zoten und auch keine anderen groben Schenkelklopfer absondern, er braucht nicht einmal eine Pointe, um den Saal zum Kreischen zu bringen. Es genügt ein linkisch erhobener Arm und ein hingeworfenes „Herrschaften, jetzt aber mal...“ — schon schwillt der Frohsinn bis unter die Decke an.

„Ich würde Ihnen gerne..., aber ich muss ganz ehrlich..., Sie können viele von meinen akustischen... äh, Auslassungen einfach stornieren.“ Solche Äußerungen und die dazugehörigen Gesten des Löschens ganzer Wortkaskaden sind es, die Klocke so komisch erscheinen lassen. Dazu gibt es Sprüche mit Subjekt, Prädikat und Objekt, vorgetragen aus seiner Gedankensammlung „Kann ich hier mal einen Satz zu Ende ?!“, die aber einige dann doch nicht kapieren (keine Lacher), vielleicht, weil es plötzlich komplex wird: „Die Informationen sind mittlerweile so schnell, dass man gar nicht weiß, ob die dazu passenden Ereignisse überhaupt schon stattgefunden haben!“ Oder: „Die Wirklichkeit gibt sich ja häufig für die Realität aus.“ Einfälle aus seinem Seminarprogramm „Kommunikation — wozu?“ „Hähh?“

kommt es da kommunikativ-unverstanden aus dem Mund der Sitznachbarin.

Es gibt auch unverschlüsselte Klocke-Sätze: „Vor ein paar Jahren bin ich nachts von Einbrechern versehentlich mit eingepackt worden.“ Was daran witzig ist? Dass da einer Banales bis Pseudophilosophisches mit gewichtigster Miene herausstottert und dazu auf dem Stuhl herumrutscht wie ein Kind, dem man das Ritalin verweigert. Leider trägt dieses Konzept nur etwa 30 Programm-Minuten, Variationen seiner Ausdruckspalette kennt Klocke nicht. Doch der Auftritt dauert fast drei Stunden. Das Publikum aber lässt ihn gewähren und spendet am Ende lebhaften Beifall.

mib

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