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Pilot, Poet und singender Schauspieler

Honolulu Pilot, Poet und singender Schauspieler

Die Songwriter-Legende Kris Kristofferson feiert heute seinen 80. Geburtstag.

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Kris Kristofferson hat zu seinem 80. Geburtstag ein neues Album herausgebracht und geht auf Tour.

Honolulu. Wer hat diesen Song eigentlich nicht gesungen? „Me and Bobby McGee“ ist der größte Erfolg in der langen Karriere von Kris Kristofferson, der heute 80 wird.

Er hat ein ereignisreiches, manchmal auch hartes Leben hinter sich, dieser Sohn eines Berufsoffiziers. In Brownsville kam er zur Welt, wo die USA enden und wo Texas am hässlichsten ist.

Schriftsteller wollte er werden, studierte in Oxford, ging dann aber doch zur Armee und wurde zum Hubschrauberpiloten der Heeresflieger ausgebildet. Der Einsatz in Vietnam blieb Kristofferson erspart, er diente in Deutschland und brachte es bis zum Hauptmann. 1965 schied er bei der Army aus und ging nach Nashville, um Musiker zu werden. Bis Anfang der 1970er Jahre aber schrubbte er in den Studios die Fußböden, während alle möglichen Country-Größen ihre Platten aufnahmen. Kristofferson schrieb Song um Song und hatte schließlich Erfolg. Als Johnny Cash mit „Sunday Mornin’ Coming Down“

auf Platz 1 der Country-Charts landete, war Kristofferson der Durchbruch gelungen.

Der Song ist typisch für Kris Kristoffersons Werk. Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der an einem Sonntagmorgen aufwacht und nicht weiß, was er mit sich anfangen soll. Er ist so einsam wie später der „Pilgrim“, beginnt schon morgens Bier zu trinken und sehnt sich nach einer Familie. An diesem Text zeigt sich, dass die anspruchsvolle Country-Music große Nähe zum Blues und seinen Themen besitzt. „Blues is the working man’s reality“, hat Alexis Korner einst gesagt. Country im Stil von Kris Kristofferson auch. Und welche poetische Kraft seinen Texten innewohnt, zeigt sich an einem Vers aus „me and Bobby McGee“. Dort heißt es: „Freedom’s just another word for nothing left to lose“, Freiheit ist nur ein anderer Begriff dafür, dass man nichts mehr zu verlieren hat.

Janis Joplin interpretierte dieses Lied in ihrer unnachahmlichen Art, und allein die Tatsache, dass solch grundverschiedene Künstler wie Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Janis Joplin Kristoffersons Songs glaubhaft wiedergeben konnten, spricht für ihre Qualität.

Auch als Schauspieler machte Kris Kristofferson Karriere. Es waren nicht immer die besten Filme aller Zeiten, in denen er auftrat. Die „Blade“-Trilogie etwa ist so vollständig sinnfrei und grotesk, dass sie fast schon wieder Spaß macht. Aber Kris Kristoffersen spielte auch 1980 die Hauptrolle in Michael Ciminos Spät-Western „Heaven’s Gate“. Cimino ruinierte mit diesem Film das Studio United Artists, aber Kristofferson war großartig in diesem Mammut-Epos, dessen künstlerischer Wert erst seit wenigen Jahren anerkannt wird.

In den letzten Jahren war es still um Kristofferson. Er litt an Gedächtnisverlust, der immer schlimmer wurde. Bis man entdeckte, dass er an Borreliose litt, die anschließende Behandlung war erfolgreich. Er lebt mit seiner Frau auf Hawaii und bringt zu seinem 80. ein neues Album heraus: „The Cedar Creek Session“. Was auf seinem Grabstein stehen soll, hat er schon festgelegt, es sind Verse von Leonard Cohen: „Like a bird on the wire, Like a drunk in a midnight choir I have tried in my way to be free.“

Jürgen Feldhoff

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