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Kultur im Norden „Poetische Sprachkunst“
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18:14 20.06.2017
Lyriker Jan Wagner. Quelle: Foto: Dpa
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Darmstadt

. Der Lyriker Jan Wagner gilt als neugieriger und sensibler Erkunder des Kleinen. Zu seinen Auszeichnungen gehört der Leipziger Buchpreis.

Für seine „poetische Sprachkunst“ wird der Berliner Jan Wagner nun mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Die Gedichte des in Hamburg geborenen 45-Jährigen „verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz“, begründete die Akademie gestern in Darmstadt ihre Entscheidung. Der Preis wird Ende Oktober in Darmstadt verliehen. Letzter Preisträger mit Schwerpunkt Lyrik war 2014 Jürgen Becker.

Das Werk Wagners umfasst Gedichtbände, Essays und Kritiken, Anthologien und Übersetzungen zeitgenössischer englischsprachiger Lyrik. Seine Gedichte sind in rund 30 Sprachen übersetzt worden. Sie „erschließen eine Wirklichkeit, zu der Naturphänomene ebenso gehören wie Kunstwerke, Sujets der Lebens- wie der Weltgeschichte, erste Fragen und letzte Dinge“, hob die Akademie hervor. Wagner besitze eine „poetische Sprachkunst, die unsere Wahrnehmung ebenso schärft wie unser Denken“.

Für Jan Wagner gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, zu einem Gedicht angeregt zu werden. „Alles kann sozusagen Auslöser sein für den sprachlichen Prozess, den gedanklichen Prozess, der dann zu einem Gedicht führt“, sagte der Lyriker gestern, nachdem die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt ihn als Büchner-Preisträger 2017 bekanntgegeben hatte. „Es kann auch ein Wort sein, das man auf der Straße aufschnappt, eine kleine Geschichte, die man vielleicht im Bus hört. Das macht das Ganze so interessant, so schön und jeden Tag aufs Neue aufregend – weil man nie weiß, was als nächstes zum Gedicht werden will.“ Der Büchner-Preis sei die für ihn bedeutendste Auszeichnung, sagte Wagner weiter.

Im vergangenen Jahr war der Büchner-Preis an Marcel Beyer verliehen worden. Die Reihe der Geehrten ist lang. Zu ihnen zählen auch Gottfried Benn (1951), Erich Kästner (1957), Heinrich Böll (1967) sowie Hermann Kesten (1974), Friedrich Dürrenmatt (1986) und Sibylle Lewitscharoff (2013), Jürgen Becker (2014) sowie Rainald Goetz (2015).

Der Namensgeber der Auszeichnung, Georg Büchner, war deutscher Revolutionär und Dramatiker („Dantons Tod“, „Woyzeck“). Der wegweisende Autor des 19. Jahrhunderts starb mit nur 23

Jahren am 19. Februar 1837 im Exil in Zürich an Typhus.

haute coiffure der goldene schraubstock des spiegels hielt den blick:

sie mit roten nägeln, ich mit weißem tuch bedeckt wie ein museumsstück.

dicht über meinen ohren zwitscherte die schere. oh duftende dienerschar von cremes und flakons! das wasser plätscherte, doch unten rotteten auf glatten fliesen die flusen sich zusammen gegen uns, ein stiller mob mit einem alten wissen.

draußen heulten hunde, frisch geschnitten sträubte sich mein nackenhaar, und in mir riß der wolf an seiner kette.

LN

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