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„Polenblut“ – Schwerenöter in schwerer Not

Lübeck „Polenblut“ – Schwerenöter in schwerer Not

Viel Schmelz und schöne Stimmen – Premiere des dritten Stücks der Lübecker Sommeroperette vor voll besetztem Saal im Johanneum.

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Noch ist Polen nicht verloren: Jana Thomas (v. l.), Pawel Wytrazek, Sonja Pitsker, Felix Müller, Thomas Herberich und Mona Hermes.

Quelle: W. Maxwitat

Lübeck. Lübeck. Graf Boléslaw Baranski hat zwei Leidenschaften: Frauen und Geld. Geld hat er zu wenig, von Frauen kann er nicht genug haben. Und weil das so ist, sind seine Bilanzen gründlich ruiniert. Er ist ein Schwerenöter in schwerer Not, das ist sein Problem, und das ist die Ausgangslage für „Polenblut“, das dritte Stück der diesjährigen Lübecker Sommeroperette.

Das Werk von Oskar Nedbal feierte im Oktober 1913 Premiere, dem letzten goldenen Herbst, bevor die Welt im Grauen des Ersten Weltkrieges versank. Es war eine fiebrige Zeit, ringsum schlafwandelten die Mächte ins Verderben, auf der Bühne des Wiener Carltheaters aber feierte die Leichtigkeit noch einmal sich selbst.

Nedbal führt mit seiner Operette ins Leben des polnischen Adels und der polnischen Bäuerlichkeit, wo Graf „Bolo“ (Felix Müller) sich noch ein paar schöne Tage machen will, bevor seine Güter und Ländereien endgültig unter den Schuldhammer kommen. Aber er hat einen Freund, Jan Zarémba (Thomas Herberich). Der ist Gutsherr und Vater von Heléna, die er Bolo gern zur Frau gäbe. Allein, der hat nur Augen für die schöne Tänzerin Wanda, die er seinem Freund Bronio von Popiel ausspannt.

Da braucht es eine List. Da muss sich Heléna als Wirtschafterin ausgeben, die Bolos Misswirtschaft wieder auf Vordermann bringt. Und weil wir hier in einer Operette sind und nicht bei Beckett oder Brecht, läuft alles auf ein Happy End hinaus mit einer religiösen Erbauungsszene inklusive.

Oskar Nedbal, ein Schüler Antonin Dvoráks, hat einen luftigen Dreiakter um einen literarischen Kern geschrieben, der auf eine Novelle von Alexander Puschkin zurückgeht. Das Libretto stammt von Leo Stein, der unter anderem für „Die Csárdásfürstin“ verantwortlich war. Es gibt süße Melodien, viel Schmelz und schwungvolle Tänze vom siebenköpfigen Salonorchester unter Leitung von Joachim Kuipers am Klavier. Und es gibt schöne Stimmen, vor allem von Jana Thomas als Tänzerin Wanda, von Sonja Pitsker als Helena und von Pawel Wytrazek als Bronio von Popiel. Auch im Intermezzo nach der Pause mit Melodien aus der Operette „Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer wurde das deutlich. Eigentlich sollte dieser Teil im Innenhof des Johanneums stattfinden, aber das Wetter war entschieden dagegen.

„Polenblut“ ist die erfolgreichste Operette Oskar Nedbals. Sie erlebte in ihrer ersten Zeit tausende Aufführungen. 1934 wurde sie von Carl Lamac mit Max Schmelings Frau Anny Ondra als Heléna und Hans Moser als ihrem Vater auch verfilmt. Nedbal selbst aber endete tragisch. Nach einer Karriere als Dirigent, Operndirektor, Komponist und Lehrer nahm er sich 1930 das Leben, angeblich mit einem Sprung aus dem Fenster des Ballettsaals. Hintergrund waren die desolaten Finanzen seines Theaters.

In Lübeck war „Polenblut“ zuletzt vor fast 50 Jahren im Theater zu sehen. In der Bearbeitung des Sommeroperetten-Intendanten Michael P. Schulz kam jetzt ein Spiel ins Johanneum, bei dem manchmal mehr als zwei Dutzend Mitwirkende auf der Bühne standen – von kleinen Ballettschülerinnen (Leitung: Sarah Schneider) bis zum großen Gutsherrn Zarémba. Es gehe um „beschwingte Unterhaltung für ein breites Publikum“, hatte Schulz zu Beginn gesagt, das sollte es trotz kleinerer Schwächen auch werden. Die Zuschauer im voll besetzten Saal applaudierten minutenlang. Unter ihnen war auch eine Besucherin, die eigens zur Sommeroperette aus Norwegen angereist war. Peter Intelmann

Weitere Termine

„Polenblut“ wird noch mehrere Male in der Aula des Johanneums zu sehen sein: heute um 19.30 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr. Weitere Termine: Donnerstag, 18. August (18 Uhr);

Sonnabend, 20. August (19.30 Uhr); Mittwoch, 24. August (19.30 Uhr); Freitag, 26. August (19.30 Uhr) und Sonntag, 28. August (15 Uhr).

Karten gibt es im Vorverkauf zu Preisen zwischen 19 und 29 Euro. Sie sind an diversen Vorverkaufsstellen oder unter ☎ 0451 / 69813 erhältlich.

Das Stück von Oskar Nedbal ist neben der „Spanischen Serenade“ und „Es gibt nur ein Berlin“ die dritte Produktion der Lübecker Sommeroperette in diesem Jahr.

LN

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