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Premiere: Bühne frei für Böll und Grass

Lübeck Premiere: Bühne frei für Böll und Grass

Das Grass-Haus in der Glockengießerstraße hat zwei wunderschöne Gärten, die den Skulpturen des Meisters eine angemessene Heimat bieten.

Lübeck. Das Grass-Haus in der Glockengießerstraße hat zwei wunderschöne Gärten, die den Skulpturen des Meisters eine angemessene Heimat bieten. Im vorderen Hof begann die szenische Lesung „Natürlich sind wir Narren“ mit den Schauspielern Rachel Behringer und Jochen Weichenthal, die auf eindrucksvolle Weise durch die Ausstellung zu Günter Grass und Heinrich Böll führten.

 

LN-Bild

Rachel Behringer trug Grass’ Texte über seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS vor.

Quelle: Foto: Neelsen

Über das Rauchen im Allgemeinen und im Speziellen dialogisierten die beiden Akteure zunächst im Freien, weil zumindest Weichenthal dort seinen Glimmstängel entzünden konnte, während Rachel Behringer kunstvoll eine Zigarette drehte, um dann einen Monolog von Grass über die speziellen Eigenschaften Selbstgedrehter zu sprechen. Das war amüsant und – bei Betrachtung des Gesamtwerkes der beiden Nobelpreisträger – eher unwichtig.

Im hinteren Garten ging es weiter mit den Kriegserlebnissen der beiden Autoren. Jochen Weichenthal im Uniform-Mantel schilderte Bölls Zeit als Soldat, zitierte aus Briefen des Autors und aus dem Roman „Wo warst du, Adam?“. Eindringliche Texte, Bölls Entscheidung, sich nach seiner zweiten Verwundung vor einem erneuten Fronteinsatz zu drücken, wurde nachvollziehbar. Rachel Behringer mit Stahlhelm zitierte die berühmten Sätze aus Grass’ „Beim Häuten der Zwiebel“ über seine Zeit bei der Waffen-SS – auch sehr eindringlich.

Im Grass-Haus ging es um die Eitelkeiten der Autoren und um Rezensionen. Auch das war witzig und hinreißend gespielt, ebenso die Auseinandersetzungen mit der Springer-Presse. Eine neue Art, sich mit Grass und Böll auseinanderzusetzen war an diesem Abend zu erleben. Ein lockerer Zugang trotz ernster Themen – ein Beispiel, das Schule machen sollte. Fel

LN

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