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Kultur im Norden Der Vampir Kapitalismus
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17:36 29.11.2018
„Der Vampir ist eine Vielheit“: Nicki Liszta, Isabelle von Gatterburg, Marie Bues, Anja Sackarendt und Pit Holzwarth (v. l.). Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Uraufführungen sind eher selten am Theater Lübeck. Am Freitag ist es in den Kammerspielen wieder einmal so weit: „Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu“ der israelischen Autorin Sivan Ben Yishai wird um 20 Uhr erstmals gezeigt. Die Produktion ist eine Gemeinschaftsarbeit des Theaters Lübeck, des privaten Theaters Rampe und der Tanzcompagnie backsteinhaus productions, die beide in Stuttgart angesiedelt sind. Die Kulturstiftung des Bundes unterstützt die Koproduktion finanziell.

Nosferatu ist der Titel der ersten Verfilmung des „Dracula“-Romans von Bram Stoker, die F. W. Murnau in Teilen 1922 in Lübeck drehte. Ein Klassiker der Filmgeschichte und des cineastischen Horror-Genres ist dieser Film – aber Regisseurin Marie Bues und Choreographin Nicki Liszta geht es nicht darum, den Filmstoff auf der Bühne nachzuerzählen. „Sivan Ben Yishai hat den Nosferatu-Stoff überschrieben“, sagt Marie Bues, „er ist in dieser Form eine Vampirgeschichte in und aus unserer Zeit geworden, die wir mit Mitteln des Schauspiels und des Tanzes auf die Bühne bringen.“ Das führt dann unter anderem dazu, dass es keinen blutdürstigen Grafen Orlok in diesem Stück gibt. „Stattdessen tritt ein Chor der Untoten auf, in dem wir uns alle wiedererkennen können“, sagt die Regisseurin. „Der Vampir ist eine Vielheit.“

Pest und Nosferatu – Stadtspaziergänge

Premiere ist am Freitag, 30. November,um 20 Uhr in den Kammerspielen. Am Donnerstag waren noch einige Karten vorhanden. Weitere Termine: 2. und 22. Dezember, 9., 17. und 20. Januar.

Das Theaterbietet vier Stadtspaziergänge zu den Themen Pest und Nosferatu mit dem Architektur-Professor Ulrich Nieschalk an. Termine unter www.theaterluebeck.de

Ein „philosophisches Stück“ nennen Marie Bes und Nicki Liszta ihre Nosferatu-Version. Es geht in ihr um die letzten Fragen und die letzten Dinge. „Was ist das Dunkel? Was ist der Untote an sich? Sind wir nicht alle eine Art Zombies, wie sie in der Populärkultur derzeit Hochkonjunktur haben? Das sind wichtige Aspekte dieses Stückes“, sagt Marie Bues. Zwei Protagonistinnen stehen exemplarisch für den Gegenwartsmenschen, der sich mehr oder weniger erfolgreich mit dem Vampir-Prinzip arrangieren will und muss. Eine junge Frau ist krankhaft ehrgeizig, sie will sich vervollkommnen, um jeden Preis – aber dann wird sie krank. Eine andere Frau ist zu Tode erschöpft, fühlt sich wie ein Hamster im Laufrad. Sie will nur noch ausbrechen aus ihrem bisherigen Leben – aber am Ende werden ihr Organe entnommen und verkauft.

„Das Prinzip Nosferatu ist eigentlich das Prinzip des Kapitalismus“, sagt Regisseurin Bues. „Der Kapitalismus entfremdet den Menschen von seiner Arbeit und von sich selbst, er steuert Bedürfnisse und Wünsche, aber auch Ängste. Dafür steht der Chor der Untoten, die nicht mehr ganz zu unserer, aber auch noch nicht zur Welt des Todes gehören. Der Vampir ist der Kapitalismus, er lebt vom Blut der Menschen.“

Tanz und Schauspiel

Auf die Bühne wird der komplexe Stoff in einer Synthese aus Tanz und Schauspiel gebracht. „Der Tanz hat große Bildkraft“, sagt dazu Nicki Liszta, „die Verbindung mit einem derart modernen Text ergibt eine sehr bühnenwirksame Mischung.“ Jeder Schritt der Tänzerinnen und Tänzer ist von der Choreografin festgelegt, Raum für Improvisationen gibt es nicht.

„Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu“ ist die zweite Zusammenarbeit des Theaters Lübeck mit Marie Bues, der Intendantin des Theaters Rampe. Der Lübecker Schauspielchef Pit Holzwarth will mit diesen Kooperationen das Lübecker Haus für neue Theater-Formen öffnen und Strukturen verändern. Für 2020 ist eine weitere Gemeinschaftsproduktion geplant, die jedoch andere Prioritäten setzen wird. Dann wird die Tanz-Performance im Mittelpunkt stehen, Text und Schauspiel stehen dann in der zweiten Reihe. Der Inhalt des neuen Stückes wird derzeit erarbeitet.

Jürgen Feldhoff

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