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Kultur im Norden Premiere in der Elbphilharmonie
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18:10 04.07.2017
Hamburg

Die Elbphilharmonie polarisiert. Entweder man mag den Bau auf dem alten Kaispeicher, oder man verabscheut ihn – für beides gibt es gute Gründe. Woran man allerdings nicht herumkritteln kann, ist ein spezieller Aspekt der Akustik des Großen Saales. So präzise und klar hat man kaum jemals ein Pianissimo gehört wie in diesem Raum, über dessen ästhetische Qualität man wiederum streiten kann. Wenn es jedoch laut wird und vor allem, wenn viel Blech im Spiel ist, dann plärrt der Saal ganz furchtbar. Die ganze Bandbreite der akustischen Gegebenheiten war beim ersten Konzert zu erleben, das vom Schleswig-Holstein Musik Festival in der Elbphilharmonie veranstaltet wurde.

Das Orchestre National des Pays de la Loire, der Partnerregion Schleswig-Holsteins, hatte ein rein französisches Programm mitgebracht, in dem auch der Komponist dieses Sommers zu seinem Recht kam – und das mit seinem berühmtesten Stück. Maurice Ravels „Boléro“ lieferte dann auch den Titel für das Konzert, das vom Dirigenten Pascal Rophé geleitet wurde.

Die „Métaboles“ von Henri Dutilleux aus dem Jahr 1965 zu Beginn des Abends zeigten, wie man moderne Musik gleichzeitig geistreich und unterhaltsam gestalten kann. Hier kam die Akustik dem Werk entgegen: Dutilleux stellt Phrasen und Klänge nebeneinander, sie erklangen ganz wunderbar transparent und duftig. Das französische Orchester und sein Dirigent gestalteten Dutilleux’ Werk mit Grazie und Eleganz.

Ein Frühwerk von Maurice Ravel stand als Nächstes auf dem Programm, das „Menuet antique“ von 1895. Schon mit 20 Jahren war Ravel überaus begabt, was Fragen der Instrumentation anging. Psacal Rophé

leitete das Orchester sicher durch diese hörenswerte Bagatelle.

Im Finale von Paul Dukas’ Scherzo „Der Zauberlehrling“ – berühmt durch Walt Disneys Zeichentrickfilm „Fantasia“ – gab der Dirigent seinem Orchester zu viel Freiraum in Sachen Lautstärke.

Ein solches Fortissimo verträgt der Saal nicht.

Weitaus besser funktionierte die dynamische Aussteuerung dann nach der Pause in Strawinskys „Feuervogel“-Suite Nr. 2. Pascal Rophé gestaltete die farbenreiche Musik sehr durchdacht und geschickt, alle Aspekte der märchenhaften Geschichte um den Feuervogel und den bösen Zauberer wurden deutlich. Eine herausragende Leistung des in allen Stimmen groß aufspielenden Orchesters und seines Leiters.

Zum Abschluss dann Ravels „Boléro“. Sehr delikat ging Rophé an diesen Gassenhauer heran, es gelang ihm, vom feinsten Pianissimo des Beginns bis zum dröhnenden Finale einen Spannungsbogen aufzubauen.

Das Publikum in der ausverkauften Elbphilharmonie tobte vor Begeisterung, es gab Standing ovations. Und als erste Zugabe dann nochmals die letzten „Boléro“-Minuten. Dabei ging der Dirigent im Saal spazieren – gut klang es trotzdem. Jürgen Feldhoff

LN

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