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Preziosen aus Atem- und anderen Geräuschen

Lübeck Preziosen aus Atem- und anderen Geräuschen

Konzert „Aufbrüche II“: Studenten der Musikhochschule präsentieren ihre Kompositionen für Flöte und Schlagzeug.

Lübeck. Pierre Boulez lebt. Der Komponist ist zwar am vergangenen Dienstag mit 90 Jahren gestorben, aber er hat Nachfolger. Lübecker Musikstudenten aus der Klasse von Dieter Mack, dem namhaften Professor für Komposition, zeigten im zweiten Teil der Konzertreihe „Aufbrüche“, dass sie die Freiheiten der musikalischen Gestaltung, wie sie die Altvorderen um Boulez oder Karlheinz Stockhausen geschaffen haben, immer noch nutzen.

Im Ladenlokal des künftigen Erweiterungsbaus des Buddenbrookhauses führten die Flötistin Ya-Chuan Wu und der Schlagzeuger Kaspar Querfurth kurze Stücke von neun Mitstudenten auf, die entstanden sind zu einem Bilderzyklus des Malers Klaus Bartels. Um es vorweg zu nehmen: Bartels‘ „Spaziergang durch das Universum“ dekorierte die Wände des für den Publikumszustrom zu kleinen Raums. Für das, was zu hören war, waren sie nicht zwingend erforderlich. Was der Nachwuchs zu Papier gebracht hatte, war überwiegend freitonal und in sehr freiem Rhythmus. Ya-Chuan Wu und Kaspar Querfurth boten die Werke wie Preziosen dar, und tatsächlich gab es ein paar ambitionierte Miniaturen. Zum Beispiel die Komposition der Türkin Ece Schütz, die den Musikern einerseits viel Freiheit einräumt — sie zum Beispiel über die Abfolge bestimmen lässt —, doch sehr konzentriert mit dem Atem der Flötistin und den Geräuschen des Schlagzeugers arbeitet. Oder die metallenen Klänge von Nicolaas Glock. Er wurde von seinem Professor als besonders bemerkenswertes Exemplar vorgestellt: Glock ist promovierter Meeresforscher. Dass er sich auch intensiv mit Musik beschäftigt, ist noch einschüchternder als der Titel seiner Doktorarbeit („Rekonstruktion der Sauerstoffverhältnisse in der Sauerstoffminimumzone vor Peru über die letzten 20000 Jahre“).

Vielleicht liegt es daran, dass Mack auch Musikethnologe ist, dass die Klassenbesten aus der Türkei, aus China, Indonesien, Argentinien, aber auch aus Thüringen und Baden-Württemberg kommen. Die Frage drängt sich auf, was die begabten Köpfe mit dem bei Mack Gelernten einmal anfangen wollen.

Ece Schütz gesteht, dass es für Musik, wie sie an diesem Abend zu hören war, nur ein kleines Publikums- und Marktsegment gibt. Sie will deshalb prüfen, ob ihr Talent in der Werbung oder beim Film Verwendung findet. „Avantgarde-Sachen muss ich mir dann abschminken.“

mib

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