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Kultur im Norden Provokateur und Mahner
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21:17 06.09.2013
„21 anthropometrische Module aus menschlichen Fäkalien“ heißt dieses Werk des spanischen Künstlers Santiago Sierra. Quelle: Foto: dpa

Er liebt das Spiel mit der Provokation: Mal lässt der spanische Performance-Künstler Santiago Sierra arbeitslosen Kubanern für 30 Dollar eine Linie über den Rücken tätowieren, mal Autoabgase in eine ehemalige Synagoge bei Köln leiten. Die Hamburger Deichtorhallen zeigen von heute bis zum 12. Januar 2014 in der Sammlung Falckenberg in Harburg den bislang größten retrospektiven Überblick über das Werk des Künstlers.

Zu sehen sind unter anderem riesige Blöcke aus getrockneten menschlichen Exkrementen, die indische Latrinenarbeiter eingesammelt haben. Außerdem werden zwei Performances gezeigt: Einmal halten zwei Männer einen sechs Meter langen Balken stundenlang auf ihren Schultern, ein anderes Mal sitzen Menschen für ein geringes Entgelt in Pappkartons. „Der Künstler konfrontiert uns mit einer Wirklichkeit, in der Ausbeutung, Billiglöhne, Sich-Prostituieren oder das Verdrängen der Vergangenheit an der Tagesordnung sind“, sagte Intendant Dirk Luckow gestern.

Sierra, 1966 in Madrid geboren, studierte von 1989 bis 1991 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und in Mexiko-Stadt, wo er seit 1995 lebt. Die Ausstellung spannt einen Bogen von den frühen bis zu den aktuellsten Arbeiten: So sind zum Beispiel unter dem Titel „Berge“ Schutt- und Aschehalden im Hamburger Hafen zu sehen (1990) und unter dem Titel „Destroyed Word“ (

zerstörtes Wort) Videobildschirme, auf denen jeweils ein überdimensionaler Buchstabe aus dem Wort Kapitalismus zerschlagen wird (2012).

Zahlreiche seiner spektakulären Aktionen werden in Fotografien und Filmen dokumentiert. So liegen in einem Raum schwarze Schläuche, mit denen Sierra 2006 Autoabgase in die Synagoge in Stommeln bei Köln leitete. Zu sehen sind Bilder der Besucher, die die Synagoge mit einer Atemschutzmaske und in Begleitung eines Feuerwehrmanns betreten konnten. Sierra verstand die Aktion als Gedenken an die Opfer des Holocaust, der Zentralrat der Juden kritisierte das Projekt jedoch als „niveaulos“ und „Beleidigung der Opfer“. Bei einer anderen Performance „Die Bestraften“ mussten sich 2006 in Frankfurt ältere Deutsche für vier Stunden symbolisch in eine Ecke stellen.

LN

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