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Quer durch die Jahrhunderte

Lübeck Quer durch die Jahrhunderte

Die Geschichte Lübecks, so möchte man meinen, sei bis in den letzten Winkel durchleuchtet und erforscht. Weit gefehlt. Immer wieder gibt es Neuigkeiten.

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Overbecks „Selbstporträt mit Familie“ (1820).

Quelle: Behnhaus

Lübeck. Die Geschichte Lübecks, so möchte man meinen, sei bis in den letzten Winkel durchleuchtet und erforscht. Weit gefehlt. Immer wieder gibt es Neuigkeiten. So wurde kürzlich in Rom das Testament von Friedrich Overbeck (1789- 1869) gefunden, jenem Bürgermeistersohn, der von Lübeck aus in die Welt zog und als Maler berühmt wurde. Was dieser Fund bedeutet, schildert Lothar Sickel im neuen Jahrbuch des Vereins für Lübeckische Geschichte.

Ein gutes Dutzend solcher Aufsätze ist in dem 440 Seiten starken Band vereint, den die frühere Archivdirektorin Antjekathrin Graßmann als Band 95 der Reihe herausgab. Zu finden sind außerdem der ausführliche Bericht der Lübecker Archäologie 2014/2015, zusammengestellt von Ingrid Schalies, und Hinweise auf lübeckische und hanseatische Literatur. Besonders lebendig ist in dem Band die Beschreibung der Brandnacht vom März 1942, die Verleger Georg Schmidt-Römhild seinen nicht in Lübeck lebenden Kindern am Tag nach der Katastrophe schickte.

Was es zum Testament Friedrich Overbecks zu sagen gibt, liest sich wie eine Künstlerbiografie. Overbeck, der 1810 als 21-Jähriger über Wien nach Rom zog, wird von der Kunstgeschichte als Mitbegründer der „Nazarener“ gefeiert, einer christlich geprägten Künstlergruppe. Im Laufe seiner letzten Lebensjahrzehnte hat Overbeck vier Testamente verfasst und beim Notar hinterlegt. Das jeweils neue annullierte die Bestimmungen des vorigen. Daraus, so der Autor, lässt sich Familiengeschichte ablesen.

Durch den Tod der drei Kinder und schließlich der Ehefrau, der aus Wien stammenden Anna Schiffenhuber, waren die Erbverhältnisse immer wieder neu zu regeln.

Der allein zurückgebliebene Künstler adoptierte schließlich mit päpstlicher Genehmigung die Ehefrau des befreundeten Bildhauers Karl Hoffmann als Tochter. Overbeck setzt diese Karoline Hoffmann in seinem letzten Testament vom 19. März 1867 als Alleinerbin ein. Sie wiederum vermachte alles ihrem Sohn Karl Hoffmann jun. Als Künstler hatte dieser wenig Erfolg, veräußerte die Sammlung Stück für Stück. Es darf spekuliert werden, ob bei anderen Schicksalswegen das bei seinem Tode vorhandene Werk Overbecks nach Lübeck gekommen wäre.

„Zeitschrift für Lübeckische Geschichte“, Band 95, Verlag Schmidt- Römhild, 36 Euro

Konrad Dittrich

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