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Kultur im Norden Raketendrohung: Propaganda und Wahrheit
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18:17 07.01.2016

Das Ende des Kalten Krieges hat die Welt nicht friedlicher gemacht. Regionale Möchtegern-Großmächte haben aufgerüstet — siehe Iran, siehe Indien, Pakistan und Nordkorea, die sogar über Atomwaffen verfügen. Als besonderes Zeichen ihrer militärischen Potenz setzen sie gerne auf Raketen. Weil man — aktuelles Beispiel Nordkorea — mit Massenvernichtungswaffen wie der Atombombe nur glaubhaft drohen kann, wenn man auch in der Lage ist, sie in ihr weit entferntes Ziel zu befördern.

Was ist dran an dieser „Raketenbedrohung 2.0“, wie die zwei international renommierten Raketen- Experten Robert H. Schmucker und Markus Schiller in ihrem gleichnamigen Buch die Raketenrüstung der erwähnten Länder nennen? Wie ernst muss man die Berichte der Regierungen über Bau, erfolgreiche Erprobung und Verfügbarkeit von Mittel- und Langstreckenraketen nehmen?

Vieles gehört ins Reich des Bluffs und der Propaganda, weisen die Autoren anhand von Beispielen nach. Vor allem bei behaupteten Eigenentwicklungen sei Skepsis geboten, weil die viel Geld, vor allem aber auch große technische und industrielle Ressourcen erfordern. Existierende Raketen in den neuen Krisenregionsländern seien meistens Importe vornehmlich aus Russland und China, allenfalls Weiterentwicklungen dieser Einkäufe, oft mit Hilfe importierter Bauteile. Was da auf staatlich freigegebenen Bildern und bei Militärparaden gezeigt werde, seien oft nur Fälschungen und Attrappen.

Schmucker und Schiller gehen auch sehr kritisch mit den Bedrohungsanalysen der westlichen Geheimdienste um. Mangels ausreichend exakter und überprüfbarer Daten aus den betreffenden Ländern werde gerne auf „fachlich fundierte Vermutungen“ zurückgegriffen, wobei die wenigen verfügbaren und schwer überprüfbaren Informationen „in einer Vorzugsrichtung interpretiert werden, die das Gedankengebäude des Interpretierenden bestätigen“.

Abschließend kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die meisten dieser Länder ihre Raketenwaffen aktuell nicht offensiv nutzen können. Dass eine Weiterentwicklung und weitere Aufrüstung aber nur durch konsequente Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation) von Raketen und Bauteilen erreicht werden könne.

So interessant, informativ und auch aktuell das Werk der beiden Experten ist: Man muss viel technisches Verständnis und Geduld mitbringen, um es zu lesen. Ein etwas chaotisch anmutendes Layout der Seiten erschwert die Lektüre zusätzlich.

„Raketenbedrohung 2.0: Technische und politische Grundlagen“, von Robert H. Schmucker und Markus Schiller; Verlag E.S. Mittler & Sohn, Hamburg; 512 Seiten, Preis: 49,90 Euro.

Rüdiger Wenzel

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