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Kultur im Norden Randale in Zürich
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18:20 13.04.2017
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Zürich

Unendlich cool stiegen die bösesten Buben der damaligen Musikszene in Zürich aus dem Flugzeug: Sonnenbrillen, Zottelmäntel, Schlafzimmerblick. Die Rolling Stones kaspern vor den Kameras lässig herum. „LSD ist gut“, sagt Mick Jagger. Es ist Flowerpower-Zeit.

Doch an diesem 14. April 1967 ist in Zürich nichts mit Flowerpower – das Konzert vor mehr als 10 000 Zuschauern im Hallenstadion in Zürich-Oerlikon endet mit Wasserwerfern und knüppelnden Polizisten.

„Vandalen“, „Tumulte mit gravierenden Formen“ – so empört sich die bürgerliche Presse sofort. Die Konzertbesucher hätten alles kurz und klein geschlagen. Das Konzert gilt als Vorbote der 68er Revolution: der Abend, an dem der Aufstand der Jugend begann.

„Alles Quatsch“, sagt Max Lässer, Jahrgang 1950. Er muss es wissen, er war dabei.

21.45 Uhr, die Halle ist voll. Auf alten Aufnahmen sind ein paar ältere Semester zu sehen, adrett gekleidet, die sich erschreckt die Finger in die Ohren stecken. Die jüngeren aber sind aus dem Häuschen. Die neuartige Beat-Musik, und das im beschaulichen Zürich! Niemanden hält es auf den Klappstühlen. Und alle kreischen.

„Man hat ja kaum etwas gehört“, sagt Lässer. „Die hatten im Stadion eine Anlage, mit der man heute höchstens 200 Menschen beschallen würde.“ Man habe gerade mal gehört, was gespielt wurde, „Lady Jane“ etwa. Aber die Musik sei zweitrangig gewesen. „Die Energie, das war entscheidend. So etwas hatte man ja noch nie erlebt.“

Nach den Berichten der damaligen Chronisten entlud sich diese Energie in Randale. „Das Konzert ist zu Ende. Die Schlacht bricht aus“, sagt ein Reporter zwei Tage später martialisch in einer Reportage für Radio Beromünster.

Bei Max Lässer klingt das anders: „Da waren ein paar Radaubrüder am Werk, keine Menge mit Zerstörungswut.“ Niemand, der dabei war, habe das als großen Krawall empfunden. Die Berichterstattung sei völlig übertrieben gewesen. Dass dieses Konzert als Auftakt der Jugendrevolte hochstilisiert wird, wundert ihn. „Wir hatten absolut nichts mit Politik im Sinn“, betont er.

Lässer feierte mit seinen Freunden vielmehr „das Ende der Schlagersängerei“ und spricht heute von einem Erweckungserlebnis: „Ich habe gemerkt: Das könnte mein Leben sein.“ Lässer wird als einer der besten Schweizer Gitarristen gefeiert und tourt noch heute mit seiner Band.

Dennoch: Dass Jugendliche die Holzklappstühle zerstören, empört das bürgerliche Establishment. „Hochdruckschläuche“ – also Wasserwerfer – seien nötig gewesen, um die Menge im Zaum zu halten, berichtete die „Neue Zürcher Zeitung“. Auch Politiker beklagen anschließend den Sittenverfall.

Die Stones kamen noch öfter nach Zürich, aber Lässer ist nie wieder in einem ihrer Konzerte gewesen. Mit den 20 Franken Eintritt, die er damals zahlte, wäre er auch nicht weit gekommen. 2014 kosteten die Stones-Tickets in Zürich im Schnitt 250 Euro. Christiane Oelrich

LN

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