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Kultur im Norden Rankins Spiel mit der Erotik
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22:22 08.12.2015

Das wird ein Hype im „White Cube“ der Kunsthalle Rostock. Fotograf John Rankin kann den kleinen, endlos hoch wirkenden Innenraum für ein spezielles Projekt nutzen. Inspiration für den 49-Jährigen ist die berühmte Fotografie „They‘re Coming“ von 1981 aus der Aktreihe „Big Nudes“ von Helmut Newton. Vier Models gehen in Pumps völlig nackt auf die Kamera zu und würdigen den Betrachter keines Blickes.

Ein Bild, das für die Irritation in der Akt- und Vogue-Fotografie steht. Ein Bild, das Diskussionen ausgelöst hat. Feministinnen sahen darin bloßen Sexismus. Visionäre Ästheten jener Zeit erkannten darin die Auflösung, die Überwindung des plumpen Sexgestus in der Werbewirtschaft. Die Frau erhebt sich in der Newton‘schen Ästhetik über die Reduzierung zum Objekt der Begierde und der Geldvermehrung via Werbung.

Ein Diskurs, der längst nicht zu Ende ist. Völlig neue Standpunkte bringt da der britische Fotograf, Filmemacher und Visionär Rankin ein. Seine Arbeiten orientieren sich an der Perfektion, der Ästhetik, die über die Modefotografie der 1980er durch Newton, Peter Lindbergh oder Annie Leibowitz Eingang in die Kunst fand und Topmodels wie Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Naomi Campbell, Kate Moss zu Weltstars machte.

Rankins Arbeiten sind hochaufwendige Werke, die Hollywood-Ästhetik Momente krasser Irritation einhauchen. Sie spielen mit den Elementen des Sexismus, der Erotik, der Unterdrückung und Überwindung, des Porno oder der Gewalt, verwandeln sie aber in Rückdeutungen. Auch in Filmen. Wenn Schauspielerin Sienna Miller an einem knallroten Ford Mustang Macho-Gestik übt und den Sportwagen auf ihr Kommando schnurren lässt, erhebt sie die Frau über die Kühlerfigur — obwohl sie supersexy auftritt. Solche Verwerfungen finden sich in Rankins Fotografien durchweg. Das ist Ironie, Angriff, Provokation — jedoch nie Vergewaltigung. Das muss nicht gefallen, ist aber eine starke Position im Kunstbetrieb. Ulrich Ptak, Kurator der Kunsthalle, der mit dem Künstler im Austausch steht, sagt zu dessen erster Museumsausstellung: „Rankin ist ein manischer Bildermacher. Das ist mir sehr nahe. Es war reizvoll, mit ihm eine Ausstellung zu konzipieren, die sich nicht zu sehr an bekannten Bildern von Stars orientiert, sondern seine eher konzeptuellen Arbeiten, die bisher nicht gezeigt wurden, in den Mittelpunkt stellt.“

In „Less is more“ (Weniger ist mehr) werden über 150 Arbeiten aus 20 Jahren Schaffenszeit gezeigt. Rankin nutzt White Cube und obere Etage. Gezeigt werden Porträts, Akte, Modefotografie, Celebrities, konzeptuelle Arbeiten wie die über die Musikerin Fiona Brice, Bandmitglied von Placebo, dazu das Bild der Schauspielerin Kate Orr („Intimacy“, „Subterfugue“) nackt zwischen Schaufensterpuppen oder das der Schönheit mit dem Schriftzug auf dem Shirt „I‘m only 13“.

Im White Cube zeigt Rankin sieben Meter hohe Fotografien mit bunter Farbe besprühter Models — ein Zitat an Newtons Aktsensation „They‘re Coming“ und ein Transport des Bildes in die bunte, nervöse Jetztzeit. Rankin über seine Schau in Rostock: „Die Ausstellung ,Less is more‘ ist das erste Mal, dass ich mein konzeptuelles Werk zusammenbringe. Es hält, was es verspricht, und zeigt einige Stücke, die mir mehr bedeuten.“

„Less is more“: Die Rankin-Ausstellung in der Kunsthalle Rostock wird am 13. Dezember eröffnet und ist bis 28. Februar 2016 zu sehen.

Michael Meyer

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