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Raubkunststreit um die „Füchse“ von Franz Marc

Düsseldorf Raubkunststreit um die „Füchse“ von Franz Marc

Die Stadt Düsseldorf steht vor einem spektakulären Fall von NS-Raubkunst, wieder einmal. Es geht um „Die Füchse“, ein Bild von Franz Marc von 1913, das zu den Spitzenwerken der Sammlung im städtischen Museum Kunstpalast gehört. Sein Wert wird auf bis zu 14 Millionen Euro geschätzt.

Düsseldorf. Schon 2014/15 traten zwei Erbinnen des ehemaligen jüdischen Besitzers Kurt Grawi an den Kunstpalast und die Stadt heran. Der Kaufmann Grawi (1887-1944) hatte das kubistische Gemälde 1928 erworben. Er emigrierte nach KZ-Haft im April 1939 mittellos nach Chile. Seine Familie folgte ihm kurz darauf, nachdem seine Ehefrau den restlichen Besitz in Berlin verkauft hatte, um Ausreise und Zwangsabgaben finanzieren zu können.

Laut den Erben wechselten die „Füchse“ um 1938 noch in NaziDeutschland „durch Zwangsverkauf unter Wert“ den Besitzer. Das Gemälde tauchte erstmals 1940 in den USA auf. 1961 erwarb es der Unternehmer Helmut Horten und schenkte es der Stadt Düsseldorf.

Wie so oft ist die Spur der Kunst bis 1945 auch in diesem Fall nicht lückenlos zu klären. Belege dafür, dass Grawi das Bild freiwillig und zu einem angemessenen Kaufpreis veräußert hat, gibt es jedenfalls nicht. Wie und über wen das Bild in die USA gelangte, ist unklar. Grawis Ehefrau Else habe nach dem Krieg zwar Rückerstattung für ihre erlittenen Verluste beantragt, ein Werk von Franz Marc habe sie aber nicht genannt, so die Position der Stadt Düsseldorf.

Eine Lösung im Tauziehen um das Millionen-Gemälde ist auch nach drei Jahren nicht in Sicht. Inzwischen ist eine der beiden Erbinnen in Chile gestorben. Die zweite Erbin, die in Hamburg lebende Ingeburg Breit, ist 88 Jahre alt. „Wir hoffen auf späte Gerechtigkeit, wie viele andere auch“, sagt sie. So hatte etwa das Leopold-Hoesch-Museum in Düren kürzlich mit Erben des Berliner Sammlers Hugo Benario die Rückgabe eines Gemäldes von Karl Schmidt-Rottluff vereinbart – trotz Lücken bei der Klärung der Besitzverhältnisse.

Die Stadt Düsseldorf hatte Ende 2017 bereits eine geplante Ausstellung über den von den Nazis verfolgten Düsseldorfer Galeristen Max Stern wegen eines Raubkunsthintergrunds erst abgesagt und dann verschoben. Die von kommunikativen Ungeschicktheiten begleitete Verschiebung entwickelte sich zum internationalen Eklat.

LN

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