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Kultur im Norden Reise durch Friedhelm Döhls musikalischen Kosmos
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18:15 09.07.2016

Friedhelm Döhl, langjähriger Professor für Komposition und ehemaliger Rektor an der Musikhochschule Lübeck, kann auf eine lange Schaffenszeit zurückblicken.

Mehr als 100 Werke vom Solo-Lied bis zur großen Oper hat Döhl komponiert, ein beeindruckendes Oeuvre. 60 Jahre alt ist der kleine Zyklus der Trakl- Lieder, mit dem Maike Albrecht (Sopran) und Hans- Jürgen Schnoor (Klavier) das Konzert zu Döhls 80. Geburtstag eröffneten. Intensive Musik, stilistisch an den frühen Schönberg erinnernd, aber immer noch aktuell in ihrem musikalischen Ausdruck. Maike Albrecht und Hans-Jürgen Schnoor gestalteten die vier Lieder mit großer Geste, ein wunderbarer Auftakt zu diesem Geburtstagskonzert im Großen Saal der Musikhochschule.

Döhls „Bruchstücke zur Winterreise“ (1985) wurden anschließend von Konrad Elser am Klavier geradezu zelebriert. Er arbeitete die Schubert-Bezüge ebenso heraus wie Döhls ganz eigene Tonsprache, die immer wieder die harmonischen Bezüge aufbricht und Affekte dort schafft, wo man sie eigentlich nicht erwartet. Die Transparenz der Darstellung beeindruckte in Elsers Spiel ebenso wie in den nachfolgenden „3 Balladen nach Celan“ für Klavier (1996). In den elf Jahren zwischen den beiden Klavierwerken hat sich Döhls Stil weiterentwickelt. Nicht im Sinne eines beliebigen Wechsels der ästhetischen Position. Vielmehr in einer Weise, die die Verbindung zwischen literarischer Vorlage und der musikalischen Ausformung noch enger hat werden lassen. Konrad Elser machte diese drei Balladen mit technischer Perfektion und großartiger Gestaltung lebendig.

Nach der Pause spielten Christiane Edinger (Violine) und Ulf Tischbirek (Cello) „Der Abend – die Nacht“ nach Trakl (1979/1995). Ein schwieriges Werk, dessen ständige Wechsel in Rhythmus und Harmonie die Ausführenden fordert. Davon war bei Christiane Edinger und Ulf Tischbirek nichts zu spüren: Sie machten deutlich, warum dieses Werk zu den bedeutendsten in Döhls kammermusikalischem Schaffen zählt. Mit Leichtigkeit und Engagement erklang diese zweisätzige Ton-Dichtung.

Die ursprünglich aus dem Jahr 1998 stammenden und in diesem Jahr überarbeiteten „5 Canti nach Leopardi“ für Kontrabass gaben dann Jörg Linowitzki die Möglichkeit, seine Meisterschaft auf diesem Instrument zu demonstrieren. Was man auch immer an Tönen und Klängen mit dem Kontrabass erzeugen kann, ist in dieser Komposition enthalten. Für Linowitzki gab es nach einer beeindruckenden Wiedergabe großen Applaus.

Zum Abschluss spielten Elisabeth Weber (Violine) und Hans- Christian Schwarz (Cello) Döhls „Sinfonia a due“ (2011). Döhls musikalischer Ausdruck hat sich seit dem Trakl-Duett verändert, sein Ton ist milder geworden. Was nichts daran ändert, dass diese „Sinfonia“ bezaubernd und anregend klingt. Vor allem, wenn sie mit solcher Präzision und solcher Empathie gespielt wird wie von Elisabeth Weber und Hans-Christian Schwarz. Ein großartiger Abend.

Jürgen Feldhoff

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