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Kultur im Norden Rennen um den Goldenen Leoparden
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18:10 10.08.2018
Favorit in Locarno: Der Film „Wintermärchen“ von Regisseur Jan Bonny („Gegenüber“), der das Thema Rechtsradikalismus aufgreift. Quelle: Foto: Dpa

Zu den Favoriten gehört das beklemmende deutsche Anti-Terrorismus-Drama „Wintermärchen“. Regisseur Jan Bonny verfolgt darin die Blutspur dreier junger Rechtsradikaler. Er zeigt eindringlich den Wahn von Leuten, die alle und alles, was sie als nicht deutsch empfinden, zerstören wollen. Der Film irritiert, weil er nichts erklärt, keine Wertung bietet. Aber genau das provoziert die Zuschauer, über mögliche gesellschaftliche Ursachen nachzudenken.

Doch die Konkurrenz ist groß. Hoch gehandelt wird ebenfalls „Sibel“, eine auch mit deutschem Geld gedrehte internationale Gemeinschaftsproduktion. Das türkisch-französische Regie-Duo Çagla Zencirci und Guillaume Giovanetti erzählt mit packender Intensität die düstere Geschichte der Selbstbehauptung einer jungen Türkin.

Chancen hat daneben der einzige Dokumentarfilm im Wettbewerb, „M“, von der französischen Regisseurin Yolande Zauberman. Sie beleuchtet eindringlich das Thema Kindesmissbrauch. Das Polit-Drama „Ein Familienausflug“ von dem außerhalb seiner Heimat lebenden chinesischen Regisseur Ying Lang gilt als weiterer Leoparden-Kandidat. Der Film spiegelt gedankenreich die Schwere eines Lebens ohne demokratische Grundrechte. Spielfilme aus den USA, England und Chile liegen aber auch gut im Rennen. Die Frage ist, ob die Jury ein politisch engagiertes Kino oder künstlerisch besonders originelle Handschriften ehren will. Dann käme das 14-stündige Epos „Die Blüte“ aus Brasilien in Betracht. Regisseur Mariano Llinás feiert damit auf originelle Weise das klassische Hollywood-Kino.

Formal ungewöhnlich sind auch das italienische Historien-Panorama „Menocchio“ und das südkoreanische Sittengemälde „Das Hotel am Fluss“. Mehrere Anwärter für die Auszeichnung als beste Schauspielerin gibt es ebenfalls: die US-Amerikanerin Mary Kay Place („Diane“) und die Türkin Damla Sönmez („Sibel“) gelten vielen als Spitzenkandidatinnen. Bei den Männern liegen der Italiener Marcello Martini („Menocchio“) und der Südkoreaner Ki Ju-bong („Das Hotel am Fluss“) in den Umfragen vorn.

Im Wettbewerb der den Newcomern vorbehaltenen Sektion „Filmemacher der Gegenwart“ kann allerdings wieder eine Deutsche hoffen: die Regisseurin Eva Trobisch. Von den 16 gezeigten Filmen bekam ihr Spielfilm-Debüt „Alles ist gut“ besonders viel Beifall. Bleibt nur zu hoffen, dass die Ernte dieses Locarno-Jahrgangs rasch in die Filmtheater kommt.

LN

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