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„Richtige Musik ist das wahre Leben“

Lübeck „Richtige Musik ist das wahre Leben“

Zwei Tage lang konnten Lübecker Nachwuchs-Jazzer von Profis lernen. Su Terry hat der Verein Jazz-Pool eigens aus New York geholt.

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„Jede Note ist wie ein kleines . . . Geschenk, you know“: Band-Coaching in Räumen der Musikhochschule in der Holstentorhalle.

Quelle: Fotos: Maxwitat

Lübeck. Lübeck. Das Schwerste im Jazz? „To make the spaces alive“, sagt Vladyslav Sendecki, also die Räume lebendig machen, die Freiheit nutzen, wenn man so will. Und er sagt das mit einer weichen, einer pädagogischen Stimme. Er ist hier vor allem Lehrer, nicht Pianist der NDR-Bigband wie im wahren Leben. Und vor ihm sitzen fünf junge Musiker, eine Lübecker Schülerband namens Funky Fünftel, die die Räume erst noch lebendig machen will.

 

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„Es geht um die Struktur eines Songs, das ist ganz wichtig.“Saxofonistin Su Terry

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„Herzensbildung, das ist das, was Musik macht am Ende.“Pianist Vladyslav Sendecki

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„Es geht um die Struktur eines Songs, das ist ganz wichtig.“Saxofonistin Su Terry

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„Herzensbildung, das ist das, was Musik macht am Ende.“Pianist Vladyslav Sendecki

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„Es geht um die Struktur eines Songs, das ist ganz wichtig.“Saxofonistin Su Terry

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Sendecki ist nicht allein. Ihm zur Seite steht Su Terry, eine Saxofonistin und Komponistin, eine Frau mit viel musikalischer Erfahrung. Sie hat mit Größen wie George Duke und Al Jarreau gespielt, und sie ist wie Sendecki für ein paar Tage nach Lübeck gekommen, um jungen Leuten ein paar wichtige Dinge in Sachen Jazz beizubringen. Nur dass der Pianist aus Hamburg angereist ist und die Frau mit den Dreadlocks eigens aus den USA.

Eingeladen hat sie – dank einer Unterstützung der Possehl-Stiftung – der Jazz-Pool Lübeck, ein Verein von Jazzfreunden, der die Musik in der Stadt und der Umgebung fördern und stärker verankern will.

Hintergrund des Coachings ist der Jazz-Preis Lübeck, der im September während des Trave-Jazz-Festivals erstmals vergeben werden soll. Es ist noch nicht klar, ob sie die Auszeichnung auch so nennen dürfen, sagt Peter Ortmann vom Jazz-Pool-Vorstand, der unter anderem beim Deutschen Musikrat in Bonn 25 Jahre Projektleiter des Bundesjazzorchesters war. Die Gespräche mit der Stadt liefen aber.

Eine Reihe von Einzelschülern und zwei Bands haben an dem zweitägigen Coaching in der Holstentorhalle teilgenommen, eine dritte Band hatte kurz vorher absagen müssen. Neben Funky Fünftel ist A.R.Q.

dabei, das Quartett der Pianistin Annelie Ripke, vier junge Musikstudenten aus Lübeck und Hamburg, die seit zwei Jahren zusammenspielen. Und sie sind ziemlich begeistert vom Coaching.

„Gut, absolut, auf jeden Fall“, sagen sie. Manche Dozenten ließen die Dinge einfach laufen, andere griffen sofort ein. Und Su Terry und Vladyslav Sendecki seien Dozenten „par excellence“, für die eine Band eben auch aus einzelnen Musikern bestehe. Die Amerikanerin kannten sie vorher nicht, den aus Polen stammenden Pianisten sehr wohl. Und es sei nicht nur gut, einen Blick von außen auf die eigene Musik zu haben, sondern eben auch einen internationalen. Die beiden hätten jedenfalls die Schwachstellen gleich erkannt. „Ich fand ihre Anmerkungen alle stimmig“, sagt Schlagzeuger Kristoph Krabbenhöft.

A.R.Q. sind keine Anfänger. Sie schreiben eigene Songs und haben im vergangenen Jahr den Yamaha-Pianopreis beim Summerjazzfestival in Pinneberg gewonnen. Bei den Schülern von Funky Fünftel ist der Weg zu George Duke und Al Jarreau noch etwas weiter. Aber es geht nicht weniger konzentriert zu beim Unterricht. Es ist locker, es ist entspannt, aber wenn Sendecki sagt: „Sometimes you are in the Kartoffelfield“, dann hat einer nicht auf die Wechsel geachtet, und dann muss das korrigiert werden.

„Bye Bye Blackbird“ steht auf dem Programm, ein alter Jazz-Standard. Die Dozenten hören zu, unterbrechen, verbessern, schlagen Alternativen vor. „Nimm dir Zeit und finde die Schönheit des Instruments“, sagt Sendecki zum Gitarristen. „Jede Note ist wie ein kleines ... Geschenk, you know“, und dann lehnt er wieder am Flügel, den Kopf auf die Hand gestützt. Manchmal kann man ganz gut an seinem Gesicht ablesen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen. Und manchmal steht er auf, stellt sich zu den jungen Leuten und guckt mit ihnen in die Noten. Intensität komme aus dem Bauch, sagt er. „Jeder Jazzmusiker tanzt im Innern, und ihr müsst das auch tun“, sonst werde das nichts. „Es geht um die Struktur eines Songs“, meint Su Terry, die in den USA ebenfalls mit Nachwuchsleuten arbeitet. Und dann greift sie zu ihrem Instrument und spielt eine Passage mit.

Auch Sendecki perlt immer wieder über die Tasten. „Im Jazz gibt es eigentlich keine Hierarchien“, sagt er in einer Pause. Jeder sei verpflichtet, das Beste für das ganze Projekt zu geben. Wichtig aber sei: „Wenn du etwas sagen willst, sag es. Du stehst da, und du verantwortest, was du tust.“ Und: „Musik kann man eigentlich gar nicht lernen. Man muss das zum Lebensinhalt machen.

Herzensbildung, das ist das, was Musik macht am Ende. Richtige Musik ist das wahre Leben.“

Nach dem Coaching gab es noch ein Konzert im Café Indigo. Die Bands spielten, es gab eine bunt besetzte Jam-Session, und Su Terry griff ebenfalls zum Saxofon.

Von Peter Intelmann

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