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Kultur im Norden Richtiges Küssen und andere Raritäten
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19:12 24.03.2017
Lübeck

Seit dem Jahr 2000 gibt es den von der Unesco ausgerufenen Welttag der Poesie, der ein Gegengewicht setzen soll zu unserer digitalisierten Wirklichkeit. Eine der in vielen Ländern jeweils im März stattfindenden Veranstaltungen war unter dem Motto „Fundstücke“ im Saal der Gemeinnützigen zu erleben.

Beherrscht auch das locker-leichte Fach: der Lübecker Tenor Henner Leyhe. Quelle: Foto: Privat

Zu der etwas lang geratenen, aber dennoch stets spannenden Entdeckungsreise hatte sich ein Quartett zusammengefunden, bestehend aus Henner Leyhe (Gesang) und Jürgen Glauß (Klavier) sowie Jutta Kähler und Jürgen Schwalm (Rezitation). Vier Künstler und Kunstliebhaber also mit der Absicht, das Terrain der deutschen Lyrik im 17. und 18. Jahrhundert zu vermessen und die poetischen Stimmungen zwischen Schmerz und Lust, Trauer und Freude, Vergehen und Blühen auszuloten.

Erstaunlich so manches Fundstück im Raritätenkabinett der Poesie. „Der Wilde“ etwa, ein von Jutta Kähler und Jürgen Schwalm in genau getakteter Wechselrede vorgetragener Text Johann Gottfried Seumes, entlarvt die Unmenschlichkeit eines angeblich gebildeten Europäers und zeigt die Menschlichkeit eines vermeintlich unkultivierten Eingeborenen. Bemerkenswert auch das von Andreas Hammerschmidt vertonte Gedicht „Wie er wolle geküsset seyn“ von Paul Fleming, eine humoristische Anleitung zum richtigen Küssen, bei der Henner Leyhe demonstrieren konnte, dass ihm das leicht Hingetupfte nicht weniger zu Gebote steht als die sonst oft von ihm zu hörende Expressivität. Eine Stimme mit großer Gestaltungskraft im wunderbar aufgehenden Zusammenspiel mit Jürgen Glauß’ kristallklaren Klavierklängen.

Feine Kooperation auch auf der anderen Seite. Jürgen Schwalms dramaturgisch ausgetüftelte Vortragskunst und Jutta Kählers eher zurückhaltender Rezitationsstil sind Gegensätze, aber die ziehen sich ja bekanntlich an. Bei der Darbietung von Gottfried August Bürgers „Lenore“ (Vertonung: Johann Rudolf Zumsteeg) durften alle vier zusammen auftreten, um die gar schaurige Ballade vom Tod eines Mädchens wirkungsvoll in Szene zu setzen. Höhepunkt eines etwas aus der Zeit gefallenen Abends.

Hermann Hofer

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