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Rock-Revolution auf Kuba

Havanna Rock-Revolution auf Kuba

Das Konzert der Rolling Stones begeisterte Hunderttausende von Fans in Havanna.

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Zusammen sind die Rolling Stones stattliche 286 Jahre alt: Ron Wood, Charlie Watts, Mick Jagger und Keith Richards (von links).

Quelle: Fotos: Dpa

Havanna. . Mick Jagger (72) ist ja auch nur zwölf Jahre jünger als Kubas Staatschef Raúl Castro. Aber wie er da in Havanna über die Bühne tänzelt, sein Hinterteil an dem einer Sängerin reibt, nötigt den Kubanern Respekt ab, zumal viele ihre alte Führung eher humorlos finden. Die Rolling Stones gibt es fast so lange wie die Revolution in Kuba — sie rocken seit 1962, als die Welt wegen der Stationierung sowjetischer Raketen auf der Insel am Rande eines Atomkrieges stand.

LN-Bild

Das Konzert der Rolling Stones begeisterte Hunderttausende von Fans in Havanna.

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„Viele Jahre war es schwierig, uns hier in Kuba zu hören. Jetzt sind wir da.

Die Zeiten ändern sich.“ Mick Jagger beim Konzert in Havanna

Dass sie hier noch einmal richtig aufdrehen dürfen, gar in der Woche, in der schon US-Präsident Barack Obama mit seinem Besuch beim früheren Erzfeind politische Geschichte geschrieben hat, ist etwas Besonderes für die Stones. Das merkt man ihnen an. Unter Revolutionsführer Fidel Castro war die Musik der Briten verpönt, sie galt als dekadenter Auswuchs des Kapitalismus.

Am Anfang explodiert eine kubanische Fahne, Oldtimer fahren durch virtuelle Straßen, an lachenden Menschen vorbei. „Bienvenidos a La Habana“. Dann entern Keith Richards (Gitarre), Ron Wood (Gitarre) und Charlie Watts (Schlagzeug) die Bühne, bevor Jagger auftaucht. „Viele Jahre war es schwierig, uns hier in Kuba zu hören“, ruft Jagger auf Spanisch. „Jetzt sind wir da. Die Zeiten ändern sich.“

Ganz schön heiß hier, meint Jagger ob des Karibikklimas, ein halbes Dutzend mal wechselt er das Outfit. Und berichtet, dass sie am Vorabend Rumba getanzt haben. Richards kniet immer wieder nieder, als er von der Bühne aus die jubelnden Massen sieht. Mehrere Hunderttausend sind laut Kubas Zentralorgan „Granma“ zu diesem Gratiskonzert gepilgert.

Der rockhistorische Auftritt, der auch tausende Briten, Deutsche und Stones-Fans aus anderen lateinamerikanischen Staaten angelockt hat, fehlte den Briten in ihrer Vita. Gerade Watts am Schlagzeug wirkt aber sichtlich angestrengt ob des Alters von 74 Jahren — zusammen kommen die vier lebenden Stones-Legenden auf stattliche 286 Jahre.

Das ruhige „Angie“, das opulente „Sympathy for the Devil“ mit Jagger im roten Plüschumhang und „Brown Sugar“ dürfen nicht fehlen - und bei einer Abstimmung wurde „All Down the Line“ als zu spielender Song gewählt. So eine Bühne wie auf dem großen Sportfeld der Ciudad Deportiva stand noch nie in Havanna, es ist eine opulente Show mit riesigen Videoleinwänden, schnellen Schnitten, immer wieder taucht die zeitlose rausgestreckte Zunge auf, mal in Rot, mal in Gold.

Zwar gibt es Wohnungen und medizinische Versorgung in Kuba in der Regel umsonst, aber bei einem Durchschnittslohn von 20 bis 25 US-Dollar hätte sich kein normaler Kubaner so ein Konzert leisten können. Es wird nach Angaben der Stones auch mit Hilfe einer Stiftung von der Karibikinsel Curaçao finanziert, die sich für internationale Verständigung und kulturellen Austausch einsetzt.

Besonders beliebt auf dem Konzertgelände: Selfies mit rausgestreckter Zunge, allerdings machen die meistens die Touristen, in Kuba sind moderne Smartphones Mangelware und für die meisten unerschwinglich.

Es ist eine Antithese zum Kommerz. Keine Verkaufsstände mit Essen, Getränken, Platten und T-Shirts. Die Fans haben trotz Alkoholverbots Tüten-Rum dabei, schon sechs Stunden vor Beginn strömen sie auf das Gelände. Hier gibt es nur Zigarren-, keinen Marihuana-Geruch. Als kubanische Version des Dixi-Klos dienen Metallboxen, die auf Gullideckel gestellt wurden, Männer wie Frauen müssen den Toilettengang im Stehen verrichten, alles läuft direkt in die Kanalisation. Die Dächer der Plattenbauten im Umfeld sind dicht bevölkert — findige Kubaner nehmen 15 US-Dollar Eintritt.

LN

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