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Kultur im Norden Rock ’n’ Roll auf der „Sonnenallee“
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19:12 12.09.2016
Gefeiert: Tom Semmler als Mario und Jasmin Wagner als „Existenzialistin“.

. „Mauer“ steht als Graffiti auf hellen Stoffbahnen im Halbdunkel der Bühne. Direkt davor sind Micha, Mario und Wuschel zuhause – im Ost-Berlin der 70er und 80er Jahre. Doch die lebenslustigen Jugendlichen ficht das nicht an. Ihr Denken und Tun kreisen bei viel Musik um erste Liebe, West- Platten und darum, wie man den Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei an der Nase herumführen kann. Aus Thomas Brussigs Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von 1999 macht das Altonaer Theater in Hamburg eine mitreißende Rock-Revue über das zeitlose Thema Adoleszenz. Die hat das Publikum bei der Premiere am Sonntagabend mit Jubel und Ovationen gefeiert.

Der liebevoll-freche DDR-Roman, den Brussig nach seinem mit Detlev Buck und Leander Haußmann verfassten Drehbuch geschrieben hat, ist vor allem dank des Kino-Hits „Sonnenallee“ (1999) populär. In Hamburg begeistert auch Regisseur Peter Dehler, der zudem die Textfassung und das Bühnenbild verantwortet, mit einer Szenenfolge voller Charme und Witz. Vor allem aber mit prallem Sound: Zur Live-Band aus John Carlson, Hannes Richter und Hans Sagert auf einem Bühnenpodium gesellen sich immer Mitglieder des neunköpfigen Ensembles, um es krachen zu lassen. Schnell stellen Songs wie „I Can Get No Satisfaction“, „Born To Be Wild“ und „What A Wonderful World“ braves DDR-Liedgut in den Schatten.

Sympathisch juvenil kommen dabei Jonas Anders (Micha) und Tom Semmler (Mario) herüber, die sich bei Club-Cola zwischen Enthusiasmus und Schüchternheit schwankend um Erfolge bei der Weiblichkeit bemühen. Mats Kampen als ihr Kumpel Wuschel zieht das Mitgefühl der Zuschauer auf sich, weil er sich so  verzweifelt auf die Suche nach dem offiziell verpönten Stones-Doppelalbum „Exile On Main Street“ bei  skurrilen Outsidern der Republik begibt.

In wechselnden Rollen amüsieren die übrigen Akteure – auch  mittels Berliner und sächsischen Dialekts. Wobei etwa Elena Meißner als Mutter Kuppisch stets um Wohlgefälligkeit im sozialistischen Obrigkeitsstaat bemüht ist und Olaf Paschner den DDR-phobischen West-Onkel Heinz gibt, der gönnerhaft Süßigkeiten über die Grenze schmuggelt. Für einen besonderen Farbklecks sorgt Ex-„Blümchen“ Jasmin Wagner mit feiner Stimme als malende „Existenzialistin“, die sich nach mehr Buntheit in grauer Umgebung sehnt. Ulrike Cordes

Vorstellungen bis 23. Oktober, Kartentelefon: 040 3990-5870

LN

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