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Kultur im Norden Rock‘n‘Roll gegen Arthrose
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11:23 01.03.2016
Gustav Peter Wöhler (Mitte) beim Konzert im Kolosseum. Quelle: Olaf Malzahn

„Let‘s Spend The Night Together“ — mit diesem Klassiker der Rolling Stones beginnt Gustav Peter Wöhler am Sonntag sein Konzert im Kolosseum. Lasst uns die Nacht zusammen verbringen. Er schaut demonstrativ auf die Uhr und grinst. Es ist 18 Uhr. „Eigentlich noch nicht meine Zeit“, sagt der Sänger, der vor allem als Theater- und Fernsehschauspieler bekannt ist, aber auch seit 20 Jahren singt. Im Sommer wird er 60, und so begrüßt er die Besucher — die meisten auch seine Altersklasse — augenzwinkernd zur „Arthrosetour“.

 Er habe Gelenkschmerzen „vom Knie bis zum Kopf“, aber mit Drogen („vier Ibuprofen und ein Liter Cola“) ließe es sich damit leben. Auch Bewegung sei hilfreich, und deshalb habe der Song „Shake a Little“ von Bonnie Raitt dem aktuellen Programm den Namen gegeben. Lange Vorrede, kurzer Sinn: Die Herren auf der Bühne fordern die Gäste auf, den Alltag abzuschütteln, eine gute Zeit zu haben — und durchaus auch mitzuwippen und sich zu bewegen.

Das Programm ist eine Art Liebeserklärung an die Großen des Rock und Pop: Mick Jagger und Keith Richards, Billy Idol oder Fleetwood Mac, Suzanne Vega, Procol Harum. Es sind Lieblingsstücke, die Wöhler zusammen mit seinen Musikern Mirko Michalzik (Gitarre), Olaf Casimir (Bass) und Kai Fischer (Klavier) ausgewählt hat, die bei ihnen Erinnerungen an die gute alte Zeit auslösen, als Arthrose noch ein Fremdwort aus der Apothekerzeitung war.

Das Publikum schwelgt mit ihnen in Erinnerung wie bei einem Klassentreffen. Wirkte Wöhler am Anfang des Konzertes noch ein wenig steif, groovt er sich nach der Pause ein, macht den Schmidtchen Schleicher, parodiert Rockstargetue und rotiert mit Windmühlenarmen. Wahrscheinlich ist er um 18 Uhr tatsächlich noch nicht auf Betriebstemperatur. Vor allem bei stilleren Liedern wie „Message in a Bottle“ von Sting, „Peace of Mind“ von Mindy Smith, „Bitter Blue“ von Cat Stevens oder auch „Bridge Over Troubled Water“ von Paul Simon gelingt ihm eine ganz eigene, stimmige Interpretation.

Zwischen den Titeln erzählt er launig über seine Beziehung zu den Liedern und schafft Nähe zu den Besuchern, die am Ende tatsächlich in Bewegung kommen, mitwippen, klatschen und sich von den Plätzen erheben. Drei Zugaben muss das Quartett geben — und dann ist man immer noch früh genug zu Hause, um noch mal eine alte Platte aufzulegen. ph

LN

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