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Kultur im Norden Romantische Musik in drei Schattierungen
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18:16 01.02.2016

Musik aus Frankreich und aus Russland muss in einem Konzert nicht immer eine glückliche Mischung ergeben. Mit den Werken von Ravel, Berlioz und Rachmaninow aber gelang dem Gastdirigenten Marc Piollet das Experiment, das Programm überzeugte.

Zu Beginn das neben dem „Boléro“ wohl berühmteste Werk von Maurice Ravel, „Le Tombeau de Couperin“. Es ist eines der Wunderwerke des französischen musikalischen Impressionismus, an barocken Formen und Inhalten orientiert. Nach einem noch etwas holperigen Prélude entwickelten die Lübecker Philharmoniker den fein strukturierten Klang, den Ravels Partitur verlangt. Dirigent Piollet, der ohne Taktstock dirigierte, wählte zügige Tempi und verstand es, die überaus differenzierten Klangfarben erstrahlen zu lassen.

In Deutschland sind Hector Berlioz‘ sechs Lieder nach Gedichten von Théophile Gautier „Les nuits d‘ètè“ kaum bekannt. Umso verdienstvoller von Marc Piollet, diese Perlen der französischen Hochromantik auf das Programm zu setzen. Berlioz begründete mit diesem Zyklus die Form des Orchester-Liedes, noch heute üben diese Lyrik-Vertonungen einen ungebrochenen Reiz aus. Die Sopranistin Juliane Banse sang die in ihrem Charakter so unterschiedlichen sechs Lieder mit wunderbar weiblich-warmem Timbre. Sie arbeitetete die Struktur der Texte wie der Melodien heraus, immer wieder gelangen ihr neue Klangschattierungen — eine gestalterische Leistung ersten Ranges. Juliane Banses Stimme bestach durch für eine Sopranistin außergewöhnlich volltönende Tiefe und durch Spitzentöne, die nie metallisch oder scharf klangen. Marc Piollet begleitete die Sängerin präzise und einfühlsam. Das Publikum applaudierte begeistert.

Nach der Pause dann Rachmaninow, die Sinfonie Nr. 2 in e-Moll. Das sinfonische Hauptwerk des Russen in der seltsamen Akustik des MuK-Foyers aufzuführen, ist eigentlich tollkühn. Marc Piollet aber leitete sein Orchester geschickt und hielt die Lautstärke so weit es möglich war in engem Rahmen; so ergab sich ein unter diesen widrigen Umständen ausgewogenes Klangbild. Transparent war diese Interpretation der Sinfonie, aus der tiefster Seelenschmerz ebenso wie überschäumende Lebensfreude spricht.

Die Lübecker Philharmoniker spielten in allen Gruppen auf ihrem so geschätzten hohen Niveau, ein B-Orchester mit einer solchen Leistungskraft muss man lange suchen. Am Schluss gab es großen Beifall für das Orchester und seinen Gastdirigenten. Fel

LN

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