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Kultur im Norden Romantische Novellen in Tönen
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20:29 17.07.2017
Solist und Dirigent wiegen sich im Samba-Takt: Klarinettist Giampiero Sobrino und Ryusuke Numajiri bei „Scaramouche“ von Milhaud. Quelle: Foto: Malzahn
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Lübeck

Über die Grenze nach Frankreich schaut das Schleswig-Holstein Musik Festival in diesem Sommer. „Über die Grenze“ stand auch als Motto über dem letzten Sinfoniekonzert, das Ryusuke Numajiri als Lübecker Generalmusikdirektor (GMD) in der Musik- und Kongresshalle leitete. Vier französische Komponisten bot er zum Abschied; vier Franzosen, die für den musikalischen Impressionismus unserer Nachbarn jenseits des Rheins stehen.

Mit Tschingderassa ging es los, mit Emmanuel Chabriers „Marche joyeuse“. Das war ein kurzes musikalisches Brillantfeuerwerk aus der Feder des Mannes, der als Begründer der impressionistischen Musik in Frankreich gilt. Danach gab es eine Umstellung gegenüber dem ausgedruckten Programm, die dramaturgisch durchaus Sinn machte. Zwei Kompositionen, die die Klarinette als Soloinstrument einsetzen, folgten noch vor der Pause. Gespielt wurde zunächst die Erste Rhapsodie von Claude Debussy mit der elegischen Einleitung, mit verspielten Einwürfen und Zwiegesängen. Die Lübecker Philharmoniker machten daraus ein besinnlich-zartes Pastellbild, eine romantische Novelle in Tönen.

An dritter Stelle stand das als Nummer zwei ausgedruckte spritzig-witzige Tongemälde „Scaramouche“ von Darius Milhaud. Diese unterhaltsame kleine Suite gibt es in mehreren Fassungen, hier für Klarinette und Orchester. Mit schmissigem Rhythmus, mit unüberhörbaren Jazzanklängen wurde der erste, der schnelle Satz musiziert. Sehr ruhig, für den temperamentvollen GMD erstaunlich langsam, kam der Mittelsatz, das Modéré. Die Brazileira folgte, funkensprühend in den Saal geschleudert. Numajiri und der Solist wiegten sich im Takt der Samba. Der Klarinettist Giampiero Sobrino spielte mit warmem, vollem Ton, mit schönem Legato. Eine mit dem Orchester vorbereitete Zugabe Giampiero Sobrinos schloss sich an.

Die zweite Konzerthälfte gehörte Maurice Ravels Ballett „Daphnis et Chloé“. Für viele Zuschauer war es eine neue Erfahrung, dass für dieses Stück mit dem Orchester ein großer Chor einzog, die Empore über dem Orchester besetzte. Die Sänger des Theaters hatten Verstärkung aus Hamburg erhalten, und zwar vom Carl Philipp Emanuel Bach-Chor. Jan-Michael Krüger hatte die Lübecker vorbereitet, Gabriele Pott die Gäste.

In der knapp einstündigen Ballettmusik hat der Chor keinen Text zu singen. Er verstärkt an dramatischen Stellen mit Vokalisen, mit Gesang ohne Worte, das musikalische Geschehen. Insbesondere im Fortissimo ergab das eine mitreißende Dichte. Dazwischen erfreuten die wechselnden irisierenden Klangfarben, die ausgemalten idyllischen Szenen dieser Liebesgeschichte aus alten Zeiten. Numajiri kostete die Gegensätze aus, lief beim wilden Kriegstanz der Piraten oder beim abschließenden Volksfest zu Hochform auf. Er und das Orchester ernteten stürmischen Beifall.

Konrad Dittirich

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