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Kultur im Norden Rotzige Räuberbande
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21:31 16.04.2018
Kieler Rockoper frei nach Schillers „Die Räuber“: Karl Moor (Oliver E. Schönfeld, l.) und die Räuberbande. Quelle: Foto: Olaf Struck

Mit rund einer Viertelstunde Verspätung beginnt die Aufführung am Sonnabend, dafür aber mit Wums. Spannungsgeladene Musik der Band um Ture Rückwardt brandet auf, eine Videosequenz führt hinter dem zweigeteilten Bühnenaufbau von Lars Peter in das Setting ein.

Der alte Moor (Zacharias Preen) und sein ungeliebter Sohn Franz (Marko Gebbert) fristen im schmucken Penthouse-Loft auf der linken Bühnenseite ihr verbittertes Dasein. Da sehnt sich der gebrechlich und doch gebieterisch auftretende Vater nach seinem verlorenen Lieblingssohn Karl (Oliver Schönfeld), einem zerrissenen Idealisten, der in der Ferne auf die schiefe Bahn geraten ist. Das Trauma des ungeliebten Kindes nimmt man Gebbert vollends ab: Fulminant gibt er den manipulativen, fast manischen Franz, der neben dem Vater auch Amalia (Magdalena Neuhaus), die zurückgelassene Geliebte seines Bruders, für sich einzunehmen versucht – vergeblich.

Eine Verdichtung der Kulisse haben Regisseur Daniel Karasek und Dramaturg Jens Paulsen in Aussicht gestellt. Sowohl räumlich als auch spielerisch wird dieses Versprechen ganz selbstverständlich eingelöst. Beleuchtungswechsel schaffen immer wieder fließende Übergange in die punkige Anarchoszene der Räuberbande – eine eigene Matrix inmitten von Containerbauten, alten Autoreifen, Bierhefe, Zigaretten und Lagerfeuer.

Neben dem gefeierten Anführer Karl Moor ragt hier Moritz Spiegelberg (Rudi Hindenburg als rotziger Rebell und Verführer) heraus: Den Rest des wütenden Mobs spielt und singt er in der ersten Hälfte in „Wie ein Feuer entfacht“ fast an die Wand. Marko Gebbert und der kongeniale Imanuel Humm als Pastor Moser finden ihre Stärke in Rapähnlichem Sprechgesang, während die Räuberbande mit punkigem Deutschrock mitreißt. Einziges Manko der unterhaltsamen Rockoper: Die eingebauten Videosequenzen konkurrieren zu oft mit dem Bühnengeschehen.

Isabelle Breitbach

Für die Vorstellungen 18. April, 8., 10. und 12. Mai gibt es Restkarten.

LN

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