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Roxette: Neues Album, aber keine Tour

Stockholm Roxette: Neues Album, aber keine Tour

Die Folgen ihrer Krebs-Erkrankung rauben Roxette-Sängerin Marie viel Energie. Viel zu viel.

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Roxette-Sängerin Marie konnte die letzten Konzerte nur sitzend absolvieren. Sie ist dem Tour-Leben nicht mehr gewachsen.

Quelle: dpa

Stockholm. Ihre Tour muss die schwedische Popband absagen. Das neue Album „Good Karma“ soll trotzdem nicht ihr letztes sein.

Erst im April kam die Hiobsbotschaft für die Fans: Die große Geburtstags-Tour zu 30 Jahren Roxette fällt aus. Das neue Studioalbum mit dem spirituellen Titel „Good Karma“ erscheint am Freitag. Um auf der Bühne zu stehen, fehlt Roxette-Sängerin Marie Fredriksson aber die Kraft. Der Abschied sei endgültig. Sofort schwant ihren Fans Böses: Ist der Krebs zurück, an dem die Schwedin 2002 erkrankt war?

Bandkollege Per Gessle hat sich zwar allein auf Promo-Tour gemacht für das neue Album, gibt aber kurz vor dessen Veröffentlichung Entwarnung. „Es geht ihr gut“, sagt der 57-Jährige. „Sie hat ein Problem mit ihrem Bein. Sie kann nicht gut laufen.“

Schon bei ihren Auftritten in Deutschland im vergangenen Sommer hatte Fredriksson schmal und zerbrechlich gewirkt. Bei mehr als zwei Dutzend ihrer letzten Konzerte sitzt sie auf einem Barhocker, den Gehstock griffbereit. Die Sängerin hat Angst, hinzufallen.

Die Krankheit ist zwar überwunden, der Hirntumor besiegt – aber gegen die Folgen der Zeit mit dem Krebs, die Fredriksson dem Fernsehsender „TV4“ gegenüber als „die reine Hölle“

bezeichnet, kämpft die 58-Jährige weiterhin. Deshalb will Fredriksson auf ärztliches Anraten nicht mehr auf Tour gehen. „Alle schönen Dinge müssen einmal zu Ende gehen, und obwohl ich es liebe, auf der Bühne zu sein, unsere Fans zu treffen, habe ich nicht mehr die Kraft für das Tour-Leben“, verkündet sie auf Facebook ihren Abschied von der Bühne.

Live werden die Fans „Good Karma“ deshalb nicht zu hören bekommen. Mit diesem Album besinnt sich das Popduo auf seine Wurzeln und liefert mit eingängigen Songs wie „It Just Happens“

unverwechselbaren Roxette-Sound. Wie in den 90er Jahren spart Gessle nicht an flirrenden Gitarren. „Wir wollten auf diesem Album die klassischen Elemente von Roxette verwenden“, sagt der Musiker in einem „MDR“-Interview. „Aber wir wollten es frischer klingen lassen.“

Mit frischer meint der Schwede wohl auch elektronischer – und dafür weniger rockig. Auch wenn einige von ihnen zum Ohrwurm taugen – die Durchschlagskraft von Klassikern wie „The Look“, „Joyride“ oder „How Do You Do“ fehlt den neuen Songs. Mit den alten Titeln haben Roxette seit 1986 nach eigenen Angaben mehr als 75 Millionen Platten verkauft.

Das verträumte Liebeslied „April Clouds“ setzt den Schlusspunkt unter das Album. Es ist eines der puristischsten Lieder auf einer Platte, die ansonsten vor Synthesizern nur so strotzt. „I wish you the best“, singt Fredriksson am Ende. Man könnte das als Abschied verstehen. Gessle widerspricht: „Marie hat zwar aufgehört, Konzerte zu spielen. Doch das bedeutet nicht, dass wir aufgehört haben, zusammen zu arbeiten.“ Aber von dem Gedanken, sich zu Mega-Hits wie „Sleeping in my Car“ oder „It Must Have Been Love“ noch einmal live auf eine nostalgische Zeitreise in die 90er zu begeben, müssen sich Roxette-Fans wohl verabschieden.

Internationale Bekanntheit erlangte das Duo 1989 mit dem Album „Look Sharp!“ und konnte sich daraufhin jahrelang an der Spitze der weltweiten Charts halten. Die Lieder des Duos basieren meist auf eingängigen Melodien, die in einem gitarrenbetonten Rock- oder Popstil präsentiert werden. Als Singles wurden oft kraftvolle Balladen im Wechsel mit fetzigen Up-Tempo-Songs veröffentlicht.

Julia Wäschenbach

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