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Kultur im Norden „Wir verbreiten gute Laune“
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16:30 28.08.2018
Die Schwedenrocker Royal Republic kommen nach Lübeck. Quelle: HFR
Lübeck

Sie haben viel Spaß auf der Bühne, und den wollen sie am Sonnabend nach Lübeck bringen. Am 1. September sind die Schweden Headliner des Stereopark Festivals in Lübeck. Wir haben mit Sänger Adam Grahn gesprochen.

Royal Republic haben gerade in Hamburg das Vorprogramm der Toten Hosen bestritten. Wie sind Sie zueinander gekommen?

Adam Grahn: Das erste Zusammentreffen mit Campino war ziemlich seltsam! Das war 2011, er kam zu uns backstage nach unserer Show bei „Rock am Ring“. Wir waren voller Exstase, dass wir endlich Rock am Ring spielen durften und hatten mit den Beatsteaks gefeiert. Campino meinte, unsere Show sei ja ziemlich abgefahren, ob man nicht mal was zusammen machen könnte. Ich hatte als Schwede natürlich noch nie was von ihm gehört und dachte mir nur: „Wer zum Teufel ist dieser alte Mann, wie hat der es geschafft, hinter die Bühne zu kommen?“ Unser Manager wedelte im Hintergrund wild mit den Armen und wollte uns verzweifelt deutlich machen, dass ich gerade einen der größten deutschen Rockstars wie einen Stalker behandle. (lacht)

Der Groll scheint dann aber schnell verflogen zu sein . . .

Klar, er war überhaupt nicht böse und hat uns ein Jahr später nach einem Konzert in Hamburg backstage zu einer Partie Tischtennis eingeladen. Die Tischtennisplatte haben sie immer dabei zur Entspannung, das nimmt Campino sehr ernst. Als ich ihn dann vor etwa 40 Zuschauern geschlagen habe, hat er doch etwas bedröppelt geguckt. (lacht) Aber wir fühlen uns sehr gut betreut bei den „Hosen“.

Das Festival

Am Sonnabend, 1. September, startet das Stereopark-Festival zum zweiten Mal in der Gollan Kulturwerft. Neben Royal Republic sind die Deutsch-Punkrocker Montreal zu erleben, die Stuttgarter Lederjacken-Jungs Antiheld, St. Paulis Tanzmusikexperten Le Fly, Österreichs Alternativ-Rocker Lausch, Lübecks musikalischer Geheimtipp Gravy Flukes und der Stereopark-erprobte Lübecker Kneipenchor. Der Einlass in die Kulturwerft Gollan in Lübeck (Einsiedelstraße 6) ist um 15 Uhr. Die Festivaltickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder bei tickets.ln-online.de und www.stereopark-festival.de. Sie kosten ab 35 Euro zzgl. Gebühren.

Die Toten Hosen brachen kürzlich in Dresden nach einem Konzert in ein Freibad ein und kühlten sich ab – würden Aktionen dieser Art auch dem Lifestyle von Royal Republic entsprechen?

Absolut, bei Swimmingpools ergreife ich jede Chance, die sich mir bietet! Aber was für uns eine verrückte Idee ist, ist für andere Leute vielleicht ganz normal.

In Lübeck auf dem Stereoact Festival treten Royal Republic als Headliner an. Waren Sie schon mal in der Stadt?

Ich kann mich dunkel erinnern, dass wir von Malmö aus mit meinen Eltern mal mit der Fähre dort waren und dass es Sekt gab. Ich muss etwa neun Jahre gewesen sein. Später habe ich erfahren, dass die Schweden gern mit dem Schiff dorthin fuhren, um an billigen Whisky und Schampus zu kommen. Wie das Festival werden wird, kann ich nicht sagen – wir kommen einfach, spielen und verbreiten gute Laune!

Wie entstand der Name Royal Republic? Stand da das schwedische Königshaus Pate oder geht es eher um eine Art ideelle Monarchie musikalischer Natur?

Das hat bei uns nichts mit Politik zu tun! Als wir uns 2007 gegründet haben, wollten wir keine typische Rockband mit Lederjacken sein, sondern eher eine „Sissy Rockband“, glamourös und ausgefallen. Wir tragen ja heute noch gern unsere goldenen Jacken auf der Bühne. Wir hatten uns damals vorgestellt, wir würden in einer fetten Limousine zu unseren Konzerten gefahren werden, mit ausgerolltem roten Teppich hofiert werden und dergleichen. Das ist bis heute leider nur eine Fantasie geblieben. (lacht)

Es gab den berühmten Ausspruch, dass Sie mit Ihrer Tolle sogar Tomaten plattmachen können . . .

An das Zitat kann ich mich gar nicht erinnern. Aber ich brauche schon eine Menge Spray, das stimmt. Die Haare müssen erstmal ziemlich kurz sein, damit sie stehen. Ich trage gerade die skandinavische Sommervariante!

Durch ausgedehnte Tourneen ist Royal Republic als Support von Bands wie Blink 182, The Subways und Social Distortion bekannt geworden. Inzwischen bespielen Sie auch allein große Hallen. Wie ist die Atmosphäre, wenn man sich heute trifft?

Das ist meist wie ein großes Barbecue, ganz entspannt und locker. Wir hatten eigentlich immer Glück mit den Bands, mit denen wir auf Tour gingen. Ab und an gab es natürlich auch mal Fälle von Arroganz, bei denen die Main Acts mit uns nicht viel zu tun haben wollten.

Im Clip zu „Everybody wants to be an astronaut“ werden Ballerinas gecastet, die im Weltall schweben. In „Full Steam Space Machine“ lösen außerirdische Invasoren eine Regierungskrise aus. Die Videos der Band sehen ziemlich kreativ und nach einem hohen Budget aus!

Oh, das ist schmeichelhaft! Ein besonders großes Budget haben wir eigentlich nicht, aber sehr kreative Menschen um uns herum wie unseren Regisseur Leo Åkesson. Es macht Spaß, ein Konzept zu entwickeln. Wenn man die Plattenfirmen entscheiden lässt, wollen sie meist etwas haben, das möglichst sexy aussieht. Wir wollen aber lieber ein spaßiges Element reinbringen, weil wir uns selbst nicht allzu ernst nehmen. Unsere Musik aber schon!

Im Clip von „Baby“ sieht man die Band auf Rollerskates, die Choreographie sieht ziemlich professionell aus!

Oh ja, wir haben richtig lange geübt, da gab es keinerlei Stunts oder technische Tricks. Keiner von uns hatte vorher eine Ahnung, wie das geht! Geprobt hatten wir kurz vor Weihnachten in Winterjacken auf einem Parkplatz einer Baustelle, wie man sich richtig bewegt und fallen lässt. Die Bauarbeiter hatten großen Spaß!

Royal Republic-Konzerte sollen die Leute zum Tanzen bringen und ein „bisschen geil“ machen, haben Sie mal gesagt. Wie macht sich diese „Geilheit“ auf Seiten des Publikums bemerkbar?

In der Hinsicht gibt es so einiges! Manchmal wird uns Unterwäsche auf die Bühne geworfen. Über die sozialen Medien senden einem vor allem weibliche Fans oft sexuell aufreizende Fotos und machen entsprechende Angebote. Ich versuche, mich so wenig wie möglich mit sozialen Medien zu befassen. Aber als Band muss man ja auch auf Plattformen wie Instagram oder Facebook kommunizieren.

In den letzten Jahren haben sich im musikalischen Sektor Alternative Rock, Punk und Britpop viele schwedische Bands hervorgetan wie The Hives, Mando Diao und Royal Republic. Haben Sie eine Erklärung, gibt es eine nationale Affinität zu dieser Musikrichtung?

Das fragen mich die Leute immer wieder! Ich sage dann manchmal etwas von Wikingermentalität oder ähnliches. Aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Es hält sich auch hartnäckig das Gerücht, dass Popmusik vom Staat gefördert wird in Schweden – was nicht stimmt. Was stimmt ist, dass es recht viele Möglichkeiten gibt für junge Leute, Musik zu studieren.

Wie sah Ihre eigene musikalische Sozialisation aus?

Ich habe mit vier Jahren mit dem Schlagzeug angefangen und meinen ersten Auftritt gemeinsam mit meinen Eltern bei einer Hochzeit ein Jahr später gehabt. Später hab ich dann Gitarre, Klavier und ein wenig Saxophon gelernt. Ich mochte es als Kind gern, Titel zu schreiben. Meine Eltern hatten ein kleines Studio, da konnte ich viel ausprobieren.

„Weekend Man“, das letzte Album, erschien bereits 2016. Wann soll der heiß ersehnte Nachfolger erscheinen?

Wir arbeiten mit Lichtgeschwindigkeit daran! „Weekend Man“ war ein tolles Album und hat uns die Gelegenheit gegeben, ausgiebig in Europa und den Staaten zu touren. Aber ich glaube, jetzt wollen die Leute gern was Neues hören – wir arbeiten dran!

Zum Abschluss sei die klassische Journalistenfrage nach einer erinnerungswürdigen Panne auf der Bühne gestattet!

Unser Toningenieur ist ein wahrer Alkoholenthusiast, um es mal so zu formulieren. Einmal bei einem großen Festival am Ende von „Full Steam Space Machine“ hatte er sehr viel Gin Tonic getrunken und drückte aus Versehen die ganze PA-Anlage aus. Plötzlich war alles still – aber die Leute dachten, das wäre wohl ein Special Effect! (lacht)

Alexander Bösch

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