Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Ruhe vor dem Wacken-Sturm

Lübeck Ruhe vor dem Wacken-Sturm

Heute startet das größte Heavy-Metal-Festival der Welt – Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen.

Voriger Artikel
Der Krieg als Vater der Verzweiflung
Nächster Artikel
Kieler Uni entdeckt Erstausgaben von Luther

Nur echt mit der Teufelskralle: 75000 Besucher machen Wacken für ein paar Tage zu einer der größten Städte Schleswig-Holsteins.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Lübeck. Lübeck. „AC/DC“, sagte WackenChef Thomas Jensen, „das wäre noch mal was.“ Aber er muss vorerst weiter warten. Die großen alten Männer des Rock’n’Roll spielen auch in diesem Jahr nicht in Wacken. Allerdings, vielleicht ist das auch ganz gut so. Weil Brian Johnson ausfiel, musste Axl Rose von Guns N’Roses als Sänger einspringen, und das gefällt nicht jedem.

LN-Bild

Heute startet das größte Heavy-Metal-Festival der Welt – Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen.

Zur Bildergalerie

Dass Wacken dennoch wieder im Handumdrehen „Ausverkauft!“ melden konnte, war Ehrensache. Und zwar für 180 Euro plus zehn Euro Vorverkaufsgebühr pro Ticket. 75000 Menschen werden sich einfinden im westlichen Schleswig-Holstein und Wacken für ein paar Tage zur viert- oder fünftgrößten Stadt des Landes machen. Und zwar zu einer, in der es „lauter, härter, schneller“ zugeht, so jedenfalls lautet das Versprechen.

Heute geht es los, auch wenn die Hauptbühnen erst morgen öffnen. Mehr als 120 Bands werden bis Sonnabendnacht zu sehen sein, die ganz großen Namen aber wie Rammstein vor drei Jahren fehlen. Ebenso wie Motörhead nach dem Tod Lemmy Kilmisters kurz vor Silvester. Vor zwei Jahren hatten sie noch in Wacken gespielt. „We are Motörhead, and we play Rock’n’Roll“ waren die klassischen Worte zur Begrüßung, und dann sollten sie sich daran halten. Jetzt wird an Lemmy mit zwei Songs von diesem letzten Auftritt erinnert, morgen Abend kurz vor Mitternacht.

Trotzdem ist viel Prominenz vertreten, auch wenn die schon etwas in die Jahre gekommen ist. Mit Foreigner, Whitesnake, Saxon und Iron Maiden spielen morgen gleich vier große Bands mit Wurzeln in den Siebzigerjahren. Auch Blue Öyster Cult, Girlschool und Twisted Sister sind schon lange dabei. Und wer von Foreigner bei einem Heavy-Metal-Festival nicht reden will, der sollte auch von Torfrock schweigen, denn die spielen dieses Jahr ebenfalls wieder.

Wacken, das ist eine ähnlich wundersame Geschichte wie die des Schleswig-Holstein Musik Festvals. Die Idee von ein paar Freunden am Tresen, ein Start-up aus einer Sandkuhle im Kreis Steinburg, das nie so etwas wie ein Start-up hatte sein wollen und längst zum größten Metal-Festival der Welt geworden ist. Und zu einer Event-Maschine, die neben dem Open Air auch Heavy Metal im Skigebiet, auf Kreuzfahrtschiffen und demnächst im Flugzeug anbietet, die Konzerte veranstaltet, Anfang nächsten Jahres eine Art Metal-Weihnachtsmarkt, und eine Wacken-Stiftung gibt es ebenfalls.

Aber auch ein Musik-Festival kann die politische Weltlage nicht ignorieren. Deshalb wurde das Sicherheitskonzept in Wacken mit Blick auf die jüngsten Anschläge und Amoktaten verschärft. So sind Rucksäcke und Taschen auf dem Gelände verboten, die Zahl der Sicherheitskräfte wurde erhöht. Man werde „ein Maximum an Kontrollen“ durchführen, sagte Wacken-Produktionsleiter Helge Staack. Die Bedrohung ist nach Angaben der Polizei abstrakt statt konkret, dennoch habe man sich mit dem Veranstalter „intensiv auf denkbare Gefährdungsszenarien vorbereitet“.

Wer keine Karte hat, kann trotzdem dabei sein, zumindest beim Auftritt von Iron Maiden.

Der Sender Arte bietet morgen ab 21.30 Uhr einen Livestream im Internet an: http://concert.arte.tv/de/wacken oder www.wacken.com

Die Harten kommen in den Garten

Auch Gartenzwerge können harte Jungs sein: Der Freiburger Marco Sorrentino (39) kreiert Heavy-Metal-Gartenzwerge. Die kleinen Figuren im unkonventionellen Look erfreuen sich bei Anhängern der harten Musik großer Beliebtheit. Vor allem vor Musikfestivals – wie etwa dem morgen beginnenden Wacken-Festival – würden sie gesammelt und getauscht, sagt Sorrentino.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Gartenzwergen tragen die aus wetterfestem Kunstharz gefertigten Heavy- Metal-Figuren keine roten, sondern schwarze Zipfelmützen – zudem Lederkluft, meist haben sie eine Bierflasche in der Hand und manche zeigen auch ihren Bauch.

Peter Intelmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden