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Runen und Hakenkreuz auf Altären

Hannover Runen und Hakenkreuz auf Altären

Vor einem Jahr tobte in Lübeck eine heftige Diskussion über die Nazi-Vergangenheit des in der Hansestadt aufgewachsenen Künstlers Erich Klahn. Die Landeskirche Hannover stellte jetzt ein kunsthistorisches Gutachten vor - und erntete prompt Kritik.

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Selbstbildnis: Erich Klahn als Ulenspiegel.

Hannover. Eine Ausstellung im Museum Behnhaus/Drägerhaus mit Werken des Künstlers Erich Klahn löste vor einem Jahr eine heftige Diskussion in Lübeck aus. Es ging um die Frage, wie nahe der in Lübeck aufgewachsene Klahn (1901—1978) den Nationalsozialisten stand und ob seiner Nähe zu den Nazis in der Ausstellung ausreichend Rechnung getragen wurde.

Nun gibt es über die Nazi-Vergangenheit des Künstlers neue Erkenntnisse. Die Landeskirche Hannover hat ein Gutachten des Kunsthistorikers Herbert Pötter zu den sakralen Werken und Altären des umstrittenen Künstlers vorgestellt. Danach vermischte Klahn bis 1945 religiöse und politische Motive.

So fänden sich auf dem Karfreitagsaltar im Kloster Mariensee bei Hannover ein gerundetes Hakenkreuz und Runen. Derzeit ist dieser Altar nicht öffentlich zugänglich, weil die Klosterkammer Hannover ihre Trägerschaft für die Klahn-Stiftung abgegeben hat. Beide Parteien befinden sich in einem Rechtsstreit. Klahn-Altäre stehen auch in weiteren Kirchen in Niedersachsen.

Der Christus des Thomas-Altars in Amelungsborn erinnere stark an die Darstellung Schlageters auf Klahns Gemälde „Erschießung von Albert Leo Schlageter“, das ebenfalls 1930 entstand, sagte der von der Landeskirche beauftragte Gutachter Herbert Pötter. Schlageter war 1922 Gründungsmitglied einer Tarnorganisation der NSDAP und wurde nach seiner Verurteilung und Hinrichtung durch ein französisches Militärgericht von den Nazis als Märtyrer verehrt.

Hannovers Landesbischof Ralf Meister sagte, die Landeskirche wolle jetzt eine Diskussion über Klahn anregen. Am 14. März gibt es eine Tagung mit dem Titel „Künstler und Kirche im ,Dritten Reich‘ — Mitgestalter oder Mitläufer?“. Denkbar wäre, Klahn in einer Ausstellung einzuordnen, sagte Meister. „Es wird derzeit keine Diskussion geführt, dass wir die Kunstwerke abhängen.“

Heftige Kritik an dem Vorgehen der Landeskirche übte die Kuratoriumsvorsitzende der kirchlichen Hanns-Lilje-Stiftung, Susanne Rode-Breymann. Die für den 14. März geplante Diskussion von Landeskirche, Lilje-Stiftung und der Akademie Loccum kommt ihrer Ansicht nach zu früh. „Erst sollte man über das Gutachten die Köpfe beugen“, sagte sie.

Erich Klahn schuf zwischen 1928 und 1959 unter anderem sieben Flügelaltäre, von denen fünf noch in Gebrauch sind. Kirchen gehörten zu seinen wichtigsten Auftraggebern. Das Behnhaus/Drägerhaus Lübeck hatte 2015 Illustrationen des Malers zum Roman „Tyll Ulenspiegel“ von Charles De Coster gezeigt.

Klahn, 1901 in Oldenburg geboren, hatte fast 50 Jahre seines Lebens in Lübeck verbracht. Während seines Studiums 1920 bis 1921 an der Kunstakademie München war er Mitglied der NSDAP geworden. Nach ihrer Auflösung 1923 war er der Partei nicht erneut beigetreten.

liz

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