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Russische Seele voll Gefühl und Temperament

Lübeck Russische Seele voll Gefühl und Temperament

Russische Seele und slawische Gemütstiefe holte Michail Jurowski beim zweiten Saisonkonzert der Lübecker Philharmoniker aus dem Orchester heraus. Kompositionen von Dvorák und Tschaikowsky waren zu hören, zusammengefasst unter dem Motto eines Liedes: „Lasst mich allein“.

Lübeck. Dvoráks Cellokonzert mit dem jungen Russen Alexander Ramm als Solist füllte die erste Hälfte des Programms. Schon die Einleitung des Kopfsatzes verriet das Konzept: Energisch, emotional aufgeladen, deutlich, bisweilen fast derb erklangen Dovraks musikalische Fluten, die vom Dirigenten gebändigt wurden. Auch der Solist setzte mit kraftvollem Strich ein, sang die Melodien nach oder vor, hielt stets Blickkontakt zu seinem Landsmann am Pult, so dass das Zusammenspiel bestens funktionierte. Ramms Zugabe aus der Solosuite des Spaniers Gaspard Cassado entführte in eine andere Welt.

Vom Sinfoniker Tschaikowsky ist in den Konzertsälen in der Regel eine der drei letzten der sogenannten großen Sinfonien zu hören, selten jedenfalls seine Manfred-Sinfonie. Michail Jurowski bescherte in der Lübecker MuK mit dem verstärkten, blendend aufgelegten Orchester ein wild zerklüftetes, dynamisch oft die Grenzen auslotendes Klanggemälde.

Neben ungehemmten, ungebremsten Exzessen gab es auch sehnsuchtsvolles Aussingen der melodischen Bögen. Insgesamt war das ein leidenschaftliches Ringen des Wanderers, der nach dem literarischen Vorbild von Lord Byron durch die Berge zieht, Liebe sucht und den Tod findet. Das Publikum applaudierte heftig. kd

LN

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