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Russlands Traumata eines Jahrhunderts

Lübeck Russlands Traumata eines Jahrhunderts

Russische Verlage haben den Roman „Menschen im August“ von Sergej Lebedew (Foto, 34) wie eine heiße Kartoffel weitergereicht. Keiner traute sich, ihn zu drucken.

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Lübeck. Russische Verlage haben den Roman „Menschen im August“ von Sergej Lebedew (Foto, 34) wie eine heiße Kartoffel weitergereicht. Keiner traute sich, ihn zu drucken. Lebedew ist als Putin-Kritiker bekannt. Die Zeitung, für die er schrieb, wurde während des Ukrainekonflikts verboten. Sein neues Buch beschäftigt sich jedoch nur indirekt mit dem heutigen Russland. Im Fokus steht die Vergangenheit. Doch auch die kann für einen Autor im heutigen Russland zum Problem werden. Jedenfalls wenn er die Heldensaga verweigert und er sich dunklen Seiten der Geschichte zuwendet. Wenn er jene „Strafzonen des Schweigens“ aufspürt, die sich in der Vergangenheit auftun.

In „Menschen im August“ geht es um viele „Strafzonen“. Es geht um die Verbrechen der Stalinzeit, um Millionen von Menschen, die deportiert wurden, in Gulags verschwanden oder die im Krieg als Kanonenfutter endeten. Es ist die Geschichte weitverzweigter Familien, die fast total ausgelöscht wurden. Das Buch bezieht sich aber auch auf jenen historischen August 1991, als Gorbatschow gestürzt wurde und Jelzin die Macht übernahm. Lebedew ist ein ebenso poetischer wie düsterer Roman über sein schwieriges Heimatland gelungen. Die eigene Familiengeschichte diente ihm als Vorlage. Inspiriert hat ihn das Tagebuch der Oma.

„Menschen im August“ von Sergej Lebedew: S. Fischer Verlag, 368 S., 22,99 Euro.

Sibylle Peine

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